Füttern & Tränken
Meisenknödel und Fettfutter selber machen: Rezept, Formen, Lagerung und Fehler
Fettfutter für Meisen, Spechte und Kleiber selbst herstellen: das richtige Fett, das Mischungsverhältnis, Futterglocke, Zapfen und Futterstamm, plus sichere Aufhängung ohne Netz.
Selbst gemachtes Fettfutter ist eine der schönsten Arten, Vögel im Winter zu unterstützen. Es ist energiereich, du weißt genau, was drin ist, und es kommt ganz ohne die Plastiknetze aus, in denen sich Vögel verletzen können. Außerdem ist es ein wunderbares Projekt für einen grauen Novembernachmittag, auch mit Kindern.
In diesem Ratgeber findest du ein bewährtes Grundrezept, Varianten für verschiedene Vögel, Ideen für Formen und Halter und alles, was du über Lagerung, Sicherheit und typische Fehler wissen solltest.
Warum Fettfutter?
Kleine Vögel verbrauchen in kalten Winternächten sehr viel Energie. Eine Blaumeise wiegt nur etwa zehn Gramm und hat kaum Reserven. Um eine lange Frostnacht zu überstehen, muss sie tagsüber genug Energie aufnehmen. Fett liefert pro Gramm mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate und ist deshalb im Winter besonders wertvoll.
Fettfutter wird vor allem von diesen Vögeln geschätzt:
- Kohlmeise, Blaumeise, Tannenmeise, Sumpfmeise
- Schwanzmeise, die oft im Trupp an Fettfutter kommt
- Kleiber
- Buntspecht und andere Spechte
- Rotkehlchen, Amsel und Zaunkönig, wenn das Fettfutter in Krümeln am Boden oder auf einem Futtertisch angeboten wird
Welches Fett eignet sich?
| Fett | Eignung | Hinweise |
|---|---|---|
| Rindertalg | sehr gut | traditionelles Fettfutter, wird fest, beim Metzger erhältlich |
| Kokosfett | gut | rein pflanzlich, gut erhältlich, wird hart. Auf ungehärtetes Kokosfett ohne Zusätze achten |
| Pflanzenöl | nur als Zusatz | ein kleiner Schuss macht die Masse bei Frost weniger brüchig |
| Butter, Margarine | ungeeignet | zu weich, enthalten Wasser und teils Salz |
| Bratfett, Speck, Schmalz mit Gewürzen | ungeeignet | oft gesalzen und gewürzt, kann Vögeln schaden |
Rindertalg bildet eine besonders feste Masse, die auch bei milderen Temperaturen nicht so schnell weich wird. Kokosfett ist eine gute pflanzliche Alternative. Palmfett ist zwar ebenfalls fest, wird aber wegen der Abholzung von Regenwäldern für Palmölplantagen von vielen Naturschützern kritisch gesehen.
Das Grundrezept
Zutaten für etwa vier bis fünf Futterglocken
- 500 Gramm Rindertalg oder Kokosfett
- 500 Gramm Futtermischung, zum Beispiel: - 200 Gramm Sonnenblumenkerne (geschält oder ungeschält) - 150 Gramm Haferflocken - 100 Gramm gehackte, ungesalzene Erdnüsse - 50 Gramm Hanf, Hirse oder Leinsamen
- 1–2 Esslöffel Pflanzenöl, zum Beispiel Rapsöl
Das Mischungsverhältnis etwa 1 : 1 nach Gewicht hat sich bewährt. Mit mehr Körnern wird die Masse bröselig, mit mehr Fett bleibt sie weich und tropft bei Sonne.
Zubereitung
- Fett langsam schmelzen: Gib das Fett in einen Topf und lass es bei niedriger Hitze schmelzen. Es soll nicht rauchen oder brutzeln.
- Etwas abkühlen lassen: Nimm den Topf vom Herd und lass das Fett einige Minuten abkühlen, bis es noch flüssig, aber nicht mehr heiß ist. So verbrennen die Haferflocken nicht, und die Verletzungsgefahr sinkt.
- Öl einrühren: Gib das Pflanzenöl dazu.
- Futter einrühren: Rühre die Körnermischung nach und nach unter, bis alle Bestandteile gut mit Fett überzogen sind.
- Anziehen lassen: Lass die Masse unter gelegentlichem Rühren abkühlen, bis sie dickflüssig wird und sich formen lässt.
- In Formen füllen: Fülle die Masse in die gewünschten Formen, drücke sie fest und lass sie vollständig erkalten, am besten über Nacht an einem kühlen Ort.
Formen und Halter
Futterglocke im Tontopf
Der Klassiker. Du brauchst kleine Tontöpfe mit Loch im Boden, einen Holzstab oder Ast, der etwa zehn Zentimeter länger ist als der Topf, und eine Schnur.
- Steck den Stab so durch das Loch, dass er unten etwa fünf bis zehn Zentimeter herausragt. Das ist später die Sitzstange.
- Binde oben eine Schnur an den Stab, mit der du die Glocke aufhängst.
- Dichte das Loch innen mit etwas Knete oder einem kleinen Stück Küchenpapier ab.
- Fülle die Fettmasse ein und lass sie fest werden.
- Häng die Glocke mit der Öffnung nach unten auf.
Kokosnussschale
Eine halbierte, ausgekratzte Kokosnuss ist eine natürliche Futterschale. Bohre zwei oder drei kleine Löcher für die Aufhängung, fülle die Fettmasse hinein und häng sie mit der Öffnung leicht schräg nach unten auf.
Kiefern- und Fichtenzapfen
Zapfen sind besonders für Kinder ein schönes Bastelprojekt. Binde eine Schnur oben an den Zapfen und wälze ihn dann in der halb erkalteten Fettmasse oder streiche die Masse mit einem Löffel zwischen die Schuppen.
Futterstamm
Ein Stück Ast oder Stamm mit etwa acht bis zwölf Zentimetern Durchmesser, in das du mehrere Löcher von zwei bis drei Zentimetern Durchmesser und Tiefe bohrst. Fülle die Löcher mit Fettmasse. Spechte und Kleiber klettern am Stamm entlang wie an einem echten Baum. Häng den Stamm senkrecht auf.
Fettblöcke in Formen
Silikonförmchen, Muffinformen oder alte Joghurtbecher lassen sich ebenfalls füllen. Die erkalteten Blöcke passen dann in einen handelsüblichen Fettblockhalter aus Metall.
Fettfutter zum Streuen
Für Rotkehlchen und Amseln kannst du einen Teil der Masse nach dem Erkalten zerbröseln und in kleinen Mengen auf einen Futtertisch geben.
Varianten für verschiedene Vögel
| Variante | Zusätze | Besonders beliebt bei |
|---|---|---|
| Meisenmischung | viele Sonnenblumenkerne, gehackte Erdnüsse | Meisen, Kleiber |
| Spechtmischung | grob gehackte Nüsse, wenig Körner | Buntspecht, Kleiber |
| Weichfresser-Mischung | Haferflocken, eingeweichte Rosinen, getrocknete Insekten, Beeren | Rotkehlchen, Amsel, Zaunkönig |
| Finkenmischung | Hanf, Hirse, Leinsamen, Rübsen | Buchfink, Grünfink, Stieglitz |
Welche Futtersorten welche Vögel bevorzugen, erklärt der Ratgeber Vogelfutter: welche Sorte für welchen Vogel.
Richtig aufhängen
- Ohne Netz: Plastiknetze sind gefährlich. Vögel können sich mit den Krallen darin verfangen, und die Netze landen später oft als Müll in der Natur.
- Im Schatten: In der Sonne wird Fettfutter weich. Ein Platz an der Nordseite eines Baumes oder unter einem Dach ist ideal.
- Katzensicher: mindestens 1,5 Meter hoch an einem Ast, an den Katzen nicht gelangen.
- Mit Deckung in der Nähe: Ein Strauch in zwei bis drei Metern Entfernung gibt den Vögeln einen Fluchtpunkt.
- Nicht zu nah am Fenster: Weniger als einen Meter oder mehr als fünf Meter Abstand verringern das Risiko, dass Vögel gegen die Scheibe fliegen.
Mehr zum perfekten Futterplatz liest du im Ratgeber Vögel richtig füttern.
Lagerung
Selbst gemachtes Fettfutter hält sich:
- im Kühlschrank gut verpackt einige Wochen,
- im Gefrierfach mehrere Monate.
Lagere es in einer verschlossenen Dose, damit es keine Gerüche annimmt. Häng immer nur so viel auf, wie die Vögel in einigen Tagen bis zwei Wochen fressen. Riecht das Futter ranzig, ist es schimmelig oder hat es sich verfärbt, gehört es in den Müll.
Sicherheit beim Herstellen
- Heißes Fett kann schwere Verbrennungen verursachen. Erhitze es langsam und nie über einer offenen Flamme ohne Aufsicht.
- Lass Kinder das Fett nicht selbst schmelzen. Sie können beim Einrühren und Formen helfen, sobald die Masse abgekühlt ist.
- Gieß Fettreste nicht in den Abfluss, sondern lass sie erkalten und entsorge sie im Restmüll.
Häufige Fehler
- Gesalzene Zutaten: Gesalzene Erdnüsse, Speckreste oder gewürztes Bratfett sind für Vögel ungeeignet.
- Zu weiches Fett: Butter oder Margarine werden nicht fest und verkleben Gefieder.
- Zu viel Hitze: Wenn die Haferflocken im heißen Fett frittieren, verlieren sie an Qualität, und es riecht verbrannt.
- Fettfutter im Sommer: Bei Wärme wird es weich, ranzig und kann Gefieder verkleben. Biete es vor allem in der kalten Jahreszeit an.
- Netze verwenden: Auch bei selbst gemachten Knödeln keine Netze, sondern Halter aus Metall.
- Zu große Mengen: Lieber häufiger eine frische Glocke aufhängen als eine riesige, die wochenlang hängt.
Weitere Stolperfallen beim Füttern sammelt der Ratgeber Fehler beim Vogelfüttern.
Hygiene am Fettfutter
Auch Fettfutterhalter sollten regelmäßig gereinigt werden. Spül sie nach jeder Glocke mit heißem Wasser aus. Wenn du kranke Vögel an deiner Futterstelle bemerkst, stell die Fütterung einige Wochen ein und reinige alle Halter gründlich. Wie du Futterstellen insgesamt sauber hältst, beschreibt der Ratgeber Futterstelle sauber halten.
Ein Projekt für die ganze Familie
Fettfutter herzustellen ist eine gute Gelegenheit, Kindern die Vogelwelt näherzubringen. Lass sie die Körnermischung zusammenstellen, Zapfen sammeln und Tontöpfe bemalen, natürlich nur außen und mit ungiftigen Farben. Anschließend könnt ihr gemeinsam beobachten, welche Vögel zuerst kommen, und eine kleine Liste führen. Zum Bestimmen hilft der Ratgeber Die häufigsten Gartenvögel erkennen. Viele Familien machen daraus eine Tradition und hängen die ersten Glocken am ersten frostigen Wochenende auf.
Häufige Fragen
Warum kommen keine Vögel an meine Futterglocke? Neue Futterstellen werden manchmal erst nach einigen Tagen entdeckt. Häng die Glocke in die Nähe von Sträuchern, wo Meisen ohnehin unterwegs sind, und hab etwas Geduld.
Darf ich Fettfutter auch im Frühjahr anbieten? In kühlen Frühjahrswochen ja, solange es fest bleibt und nicht ranzig wird. Sobald es warm wird, solltest du darauf verzichten.
Kann ich Rindertalg durch Schmalz ersetzen? Ungesalzenes, ungewürztes Schweineschmalz ist grundsätzlich möglich, wird aber weniger fest. Rindertalg oder Kokosfett sind die bessere Wahl.
Wie viele Glocken brauche ich? Für einen durchschnittlichen Garten reichen zwei bis drei Glocken oder Blöcke an verschiedenen Stellen. So verteilen sich die Vögel, und dominante Kohlmeisen können nicht alle Plätze besetzen.
Sind Erdnüsse im Fettfutter gefährlich? Gehackte, ungesalzene Erdnüsse sind unbedenklich. Achte darauf, dass sie frisch und für Vögel geprüft sind.
Fazit
Selbst gemachtes Fettfutter ist einfach, günstig und für Vögel wertvoll. Mische Rindertalg oder Kokosfett etwa im Verhältnis 1 : 1 mit hochwertigen Körnern, Haferflocken und gehackten Nüssen, gib einen Schuss Öl dazu und fülle die Masse in Tontöpfe, Kokosschalen, Zapfen oder einen Futterstamm. Häng das Futter ohne Netz, im Schatten und katzensicher auf, lagere den Vorrat kühl und biete es vor allem in der kalten Jahreszeit an. Dann wirst du bald Meisen, Kleiber und vielleicht sogar einen Buntspecht an deiner selbst gemachten Futterglocke beobachten.