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ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

Füttern & Tränken

Vögel richtig füttern: Wann, womit und wo – der Grundlagenratgeber für den Garten

Vögel füttern ohne Fehler: der richtige Zeitraum, geeignetes Futter für Körner- und Weichfutterfresser, Futterhaus, Silo oder Tisch, der beste Platz und saubere Hygiene.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Vögel zu füttern ist für viele Menschen der erste Schritt in die Vogelbeobachtung. Kaum hängt ein Meisenknödel am Baum, kommen die ersten Gäste, und plötzlich wird aus dem Blick aus dem Küchenfenster ein kleines Naturerlebnis. Damit die Fütterung den Vögeln wirklich hilft und ihnen nicht schadet, gibt es aber einige Grundregeln. Falsches Futter, schmutzige Futterhäuser oder ein ungünstiger Platz können mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen.

Dieser Ratgeber erklärt dir die Grundlagen: wann Füttern sinnvoll ist, welches Futter welchen Vögeln schmeckt, welche Futterstelle sich eignet, wo sie stehen sollte und wie du sie sauber hältst.

Warum überhaupt füttern?

Vogelfütterung ist vor allem eine Hilfe für einzelne Vögel in schwierigen Zeiten und eine wunderbare Möglichkeit, Vögel aus der Nähe zu erleben. Sie ist aber kein Ersatz für einen guten Lebensraum. Die meisten Vogelarten, die bei uns Probleme haben, etwa Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn, kommen gar nicht an Futterstellen. Ihnen hilft nur der Schutz ihrer Lebensräume.

An Futterstellen kommen vor allem Arten, die ohnehin häufig sind: Meisen, Finken, Sperlinge, Amseln, Rotkehlchen, Kleiber und Spechte. Für sie kann Futter in harten Wintern den Unterschied machen, und für uns ist es ein Fenster in ihr Leben. Das ist ein guter Grund. Wer wirklich etwas für die Vogelwelt tun will, kombiniert die Fütterung mit einem naturnahen Garten. Wie das aussieht, beschreibt der Ratgeber Vogelfreundlichen Garten anlegen.

Wann füttern?

Die klassische Winterfütterung

Die meisten Naturschutzverbände empfehlen, vor allem von November bis Ende Februar zu füttern, besonders bei Frost und Schnee. In dieser Zeit sind Insekten rar, die Tage kurz und die Nächte lang. Kleine Vögel müssen dann viel Energie aufnehmen, um nicht zu erfrieren.

Ganzjährig füttern?

Ob man auch im Frühjahr und Sommer füttern sollte, wird unter Fachleuten diskutiert. Einige Ornithologen halten eine ganzjährige Fütterung für sinnvoll, weil das natürliche Nahrungsangebot in vielen Gärten und Agrarlandschaften knapp geworden ist. Andere warnen vor Risiken wie der Verbreitung von Krankheiten an Futterstellen und davor, dass Jungvögel falsches Futter bekommen. Beide Positionen stellen wir im Ratgeber Ganzjahresfütterung: Pro und Contra ausführlich dar.

Regelmäßig statt sporadisch

Wenn du einmal mit dem Füttern begonnen hast, bleib dabei, zumindest während einer Frostperiode. Vögel gewöhnen sich an eine verlässliche Futterquelle und planen ihren Tag danach. Eine leere Futterstelle an einem eisigen Morgen kostet sie wertvolle Energie.

Welches Futter für welchen Vogel?

Vögel lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen:

Körnerfresser

Sie haben einen kräftigen, kegelförmigen Schnabel und knacken Samen und Kerne. Dazu gehören Finken wie Buchfink, Grünfink, Stieglitz und Gimpel, Sperlinge sowie, im Winter, auch Meisen.

Geeignet sind:

  • Sonnenblumenkerne, geschält oder ungeschält. Sie sind das Basisfutter, das fast alle Körnerfresser mögen. Geschälte Kerne hinterlassen weniger Abfall.
  • Hanfsamen, Hirse, Haferflocken und andere kleine Samen, oft in Mischungen enthalten.
  • Erdnüsse, ungesalzen und ungeröstet, möglichst gehackt oder in einem engmaschigen Spender, damit kleine Vögel sich nicht an ganzen Nüssen verschlucken.

Weichfutterfresser

Sie haben einen dünneren, spitzen Schnabel und fressen im Sommer vor allem Insekten. Im Winter weichen sie auf Beeren, Früchte und weiches Futter aus. Dazu gehören Rotkehlchen, Amsel, Drosseln, Heckenbraunelle und Zaunkönig.

Geeignet sind:

  • Haferflocken, eingeweicht in Pflanzenöl oder mit Fett vermischt
  • Rosinen, kurz eingeweicht
  • Obst wie Äpfel und Birnen, halbiert oder in Stücken
  • Kleie und spezielle Weichfuttermischungen aus dem Fachhandel
  • getrocknete Insekten oder Mehlwürmer

Fettfutter

Für Meisen, Spechte und Kleiber ist Fettfutter besonders wertvoll: eine Mischung aus Rindertalg oder Kokosfett mit Körnern, Haferflocken und Nüssen. Wie du es selbst herstellst, beschreibt die Anleitung Meisenknödel selber machen. Einen Überblick über alle Futtersorten bietet der Ratgeber Vogelfutter: welche Sorte für welchen Vogel.

Was nicht ins Futterhaus gehört

  • Brot und Backwaren: quillen im Magen auf, verschimmeln schnell und haben kaum Nährwert.
  • Gesalzene oder gewürzte Speisereste: Salz ist für Vögel schädlich.
  • Speck, Wurst, Käse: zu salzig und fettig.
  • Milch: Vögel vertragen keinen Milchzucker.
  • Billige Futtermischungen mit viel Weizen und Füllstoffen sowie Mischungen, die Samen der Beifuß-Ambrosie enthalten können, einer Pflanze, deren Pollen starke Allergien auslöst. Achte beim Kauf auf den Hinweis „ambrosiafrei“ oder ähnliche Angaben.

Mehr Stolpersteine sammelt der Ratgeber Fehler beim Vogelfüttern.

Welche Futterstelle ist die richtige?

FutterstelleVorteileNachteileFür wen?
Futtersilo (Säule mit Ausgängen)Futter bleibt trocken und sauber, Vögel koten nicht hineinmuss regelmäßig nachgefüllt werdenMeisen, Finken, Sperlinge
Klassisches Futterhaustraditionell, schön anzusehenFutter verschmutzt leicht, muss täglich gereinigt werdenviele Arten
Futtertisch / flache Schalegut für BodenfresserHygiene besonders wichtig, KatzengefahrAmsel, Rotkehlchen, Heckenbraunelle
Knödel- und Fettfutterhaltereinfach, wenig Abfallnur für Fettfutter-LiebhaberMeisen, Spechte, Kleiber
Erdnussspender (Drahtgitter)Nüsse können nur in kleinen Stücken herausgepickt werdennur ErdnüsseMeisen, Spechte, Kleiber

Aus hygienischer Sicht sind Futtersilos am empfehlenswertesten, weil die Vögel nicht im Futter sitzen und es nicht verschmutzen. Wenn du ein klassisches Futterhaus nutzt, gib täglich nur so viel Futter hinein, wie die Vögel an einem Tag fressen, und entferne Reste und Kot regelmäßig.

Der richtige Platz

Ein guter Futterplatz erfüllt mehrere Bedingungen:

  1. Freie Sicht: Die Vögel müssen herannahende Katzen und Greifvögel rechtzeitig sehen können. Stell die Futterstelle nicht direkt in ein dichtes Gebüsch, in dem eine Katze lauern kann.
  2. Deckung in der Nähe: Gleichzeitig sollte in etwa zwei bis drei Metern Entfernung ein Strauch oder Baum stehen, in den die Vögel bei Gefahr flüchten können.
  3. Katzensicher: Hänge Futterstellen mindestens 1,5 Meter hoch an einen Pfahl oder Ast, an den keine Katze springen kann. Eine Manschette am Pfahl hält Kletterer fern. Mehr dazu im Ratgeber Katzen und Vögel im Garten.
  4. Abstand zu Fenstern: Entweder sehr nah an der Scheibe, weniger als einen Meter, oder mehr als fünf Meter entfernt. Dazwischen nehmen Vögel beim Auffliegen genug Fahrt auf, um sich an der Scheibe zu verletzen. Wie du Glasflächen sicherer machst, steht im Ratgeber Vogelschlag an Glasscheiben verhindern.
  5. Wettergeschützt: Futter sollte nicht nass werden. Ein Dach oder ein Silo hilft.
  6. Mehrere kleine Stellen statt einer großen: So verteilen sich die Vögel, Streit wird seltener und Krankheiten breiten sich weniger aus.

Hygiene: das A und O

An Futterstellen treffen sich viele Vögel auf engem Raum. Krankheitserreger wie Salmonellen oder Trichomonaden verbreiten sich hier leicht, vor allem über Kot und verschmutztes Futter. Deshalb:

  • Futterhäuser täglich von Kot und Futterresten befreien, Futtersilos regelmäßig leeren und reinigen.
  • Heißes Wasser genügt in den meisten Fällen. Nach Krankheitsfällen kann ein mildes Desinfektionsmittel sinnvoll sein, das danach gründlich abgespült wird.
  • Handschuhe tragen und Hände danach gründlich waschen.
  • Kranke Vögel ernst nehmen: Wenn du aufgeplusterte, apathische Vögel siehst, stelle die Fütterung für einige Wochen ein und reinige alles gründlich.

Genauere Hinweise findest du im Ratgeber Futterstelle sauber halten.

Wasser nicht vergessen

Vögel brauchen nicht nur Futter, sondern auch Wasser zum Trinken und Baden, im Sommer wie im Winter. An Frosttagen ist offenes Wasser oft schwerer zu finden als Futter. Eine flache Schale mit sauberem Wasser, täglich gewechselt, ist eine einfache und wirkungsvolle Hilfe. Wie du eine Tränke anlegst und eisfrei hältst, beschreibt der Ratgeber Vogeltränke und Vogelbad.

Wie viel Futter?

Gib nur so viel Futter, wie die Vögel innerhalb von ein bis zwei Tagen fressen. Liegt am nächsten Abend noch viel übrig, reduziere die Menge. Altes, feuchtes Futter verdirbt und kann schimmeln. Bei Frost und Schnee ist der Bedarf höher, an milden Tagen deutlich geringer.

Was du an der Futterstelle beobachten kannst

Die Futterstelle ist eine kleine Bühne. Du wirst beobachten, wie sich eine Rangordnung bildet: Kohlmeisen vertreiben Blaumeisen, Kleiber verjagen beide, und der Buntspecht hat ohnehin Vorfahrt. Du siehst, wie Grünfinken stundenlang sitzen und Kerne knacken, während Meisen sich schnell einen Kern schnappen und damit verschwinden. Und du lernst Arten kennen, die du sonst nie so nah gesehen hättest. Eine Bestimmungshilfe bietet der Ratgeber Die häufigsten Gartenvögel erkennen. Wer seine Beobachtungen teilen möchte, kann bei der „Stunde der Wintervögel“ mitmachen, siehe Vogelzählungen zum Mitmachen.

Häufige Fragen

Werden Vögel durch Füttern abhängig? Nein. Untersuchungen zeigen, dass Vögel an Futterstellen nur einen Teil ihrer Nahrung aufnehmen und weiterhin natürliche Quellen nutzen. Wenn eine Futterstelle wegfällt, suchen sie sich andere Plätze. Gerade bei strengem Frost sollte man trotzdem nicht plötzlich aufhören.

Locke ich Ratten an? Das kann passieren, wenn viel Futter auf den Boden fällt und liegen bleibt. Futtersilos, geschälte Kerne und eine kleine Auffangschale unter dem Spender helfen. Füttere abends keine großen Mengen nach.

Kann ich auf dem Balkon füttern? Ja, mit einem kleinen Futtersilo oder Knödelhalter. Frag vorher in der Hausgemeinschaft nach und achte darauf, dass kein Futter und kein Kot auf den Balkon darunter fällt.

Sind Meisenknödel im Netz schlimm? Die Netze sind eine Gefahr, weil Vögel sich mit den Füßen darin verfangen können. Kaufe Knödel ohne Netz und hänge sie in einen Halter aus Metall.

Checkliste für deine Futterstelle

  • Futtersilo oder Futterhaus mit Dach
  • Platz mit freier Sicht und Deckung in zwei bis drei Metern
  • mindestens 1,5 Meter hoch, katzensicher
  • Abstand zu Fenstern unter einem oder über fünf Metern
  • Sonnenblumenkerne als Basis, dazu Fettfutter und Weichfutter
  • kein Brot, keine Speisereste, kein Salz
  • tägliche Kontrolle und regelmäßige Reinigung
  • flache Wasserschale, täglich frisch

Fazit

Vögel richtig zu füttern ist nicht schwer. Wähle hochwertiges Futter, das zu den Vögeln passt, die du anlocken möchtest: Sonnenblumenkerne und Nüsse für Körnerfresser, Haferflocken, Obst und Weichfutter für Amsel und Rotkehlchen, Fettfutter für Meisen und Spechte. Stelle die Futterstelle sicher vor Katzen und Fenstern auf, halte sie sauber und vergiss das Wasser nicht. Dann hilfst du den Vögeln durch den Winter und erlebst sie aus nächster Nähe.

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