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ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

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Vogelzählungen zum Mitmachen: Stunde der Gartenvögel, Wintervögel und Citizen Science

So machst du bei Vogelzählungen mit: Stunde der Wintervögel im Januar, Stunde der Gartenvögel im Mai, Meldeplattformen und Monitoring, richtig zählen und was mit den Daten passiert.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Wie geht es eigentlich den Spatzen in Deutschland? Werden Amseln weniger? Kommen die Mauersegler früher zurück? Solche Fragen lassen sich nur beantworten, wenn viele Menschen über viele Jahre beobachten und zählen. Fachleute allein können das nicht leisten. Deshalb sind Vogelfreundinnen und Vogelfreunde in ganz Deutschland eingeladen, mitzumachen, vom einmaligen Zählen im eigenen Garten bis zur regelmäßigen Erfassung fester Strecken.

Dieser Ratgeber stellt die bekanntesten Mitmachaktionen vor, erklärt, wie man richtig zählt, und zeigt, was mit deinen Daten passiert.

Warum Zählen wichtig ist

Vögel sind gute Anzeiger für den Zustand unserer Umwelt. Wenn Insekten verschwinden, Hecken fehlen oder Krankheiten auftreten, merkt man das oft zuerst an den Vögeln. Um Veränderungen zu erkennen, braucht es aber Daten: viele Beobachtungen, an vielen Orten, über viele Jahre.

Diese Art der Forschung, bei der Bürgerinnen und Bürger Daten sammeln, nennt man Citizen Science oder Bürgerwissenschaft. In der Vogelkunde hat sie eine lange Tradition. Viele Erkenntnisse, etwa über den Rückgang von Feldvögeln, die Ausbreitung des Usutu-Virus bei Amseln oder die Folgen der Trichomonadose bei Grünfinken, wären ohne die Mithilfe von Freiwilligen kaum möglich gewesen.

Stunde der Wintervögel

Die Stunde der Wintervögel ist eine große Mitmachaktion von Naturschutzverbänden, die jedes Jahr an einem Wochenende Anfang Januar stattfindet.

  • Was: Eine Stunde lang alle Vögel zählen, die du in deinem Garten, vom Balkon, vom Fenster aus oder in einem Park beobachtest.
  • Wer: Alle, die mitmachen möchten, ohne Vorkenntnisse. Auch Kinder und Schulklassen.
  • Ziel: Ein Überblick, welche Vögel im Winter in Gärten und Siedlungen leben, und wie sich das über die Jahre verändert.

Typische Ergebnisse zeigen zum Beispiel, wie stark Wintergäste wie Bergfinken oder Seidenschwänze von Jahr zu Jahr schwanken und wie sich milde Winter auf die Zahl überwinternder Arten auswirken. Welche Arten du im Winter erwarten kannst, beschreibt der Ratgeber Zugvögel und Wintergäste.

Stunde der Gartenvögel

Die Stunde der Gartenvögel findet jedes Jahr im Mai statt, meist am zweiten Maiwochenende.

  • Was: Eine Stunde lang zählen, welche Vögel zur Brutzeit in Gärten, Parks und Siedlungen leben.
  • Besonderheit: Im Mai sind die Sommervögel wie Mauersegler, Schwalben und Grasmücken zurück. Die Ergebnisse zeigen deshalb ein anderes Bild als im Winter.
  • Ziel: Langfristige Trends bei Gartenvögeln erkennen.

Viele Jahre in Folge gehörten Haussperling, Amsel, Kohlmeise, Star und Blaumeise zu den am häufigsten gemeldeten Arten. Wie du sie sicher erkennst, zeigt der Ratgeber Die häufigsten Gartenvögel erkennen.

So zählst du richtig

Damit die Daten vergleichbar sind, gibt es einfache Regeln. Die genauen Teilnahmehinweise veröffentlichen die Veranstalter jedes Jahr, aber im Kern gilt:

  1. Eine Stunde, ein Ort: Such dir einen Beobachtungsplatz und bleib die ganze Stunde dort.
  2. Höchstzahl notieren: Notiere für jede Art die höchste Zahl an Vögeln, die du gleichzeitig gesehen hast. Wenn du zuerst drei Kohlmeisen siehst, später zwei und dann vier, schreibst du vier auf, nicht neun. So vermeidest du, dieselben Vögel mehrfach zu zählen.
  3. Nur sichere Bestimmungen: Was du nicht sicher erkennst, lässt du weg oder notierst es als „unbestimmt“, wenn das Formular das vorsieht.
  4. Auch null zählt: Wenn du eine Stunde lang kaum Vögel siehst, ist auch das eine wichtige Information. Bitte trotzdem melden.
  5. Melden: Die Ergebnisse gibst du online, per App oder auf anderen von den Veranstaltern angebotenen Wegen ein, mit Ort und Datum.

Ein Beispiel für eine Zählliste

Art1. SichtungspäterHöchstzahl gleichzeitig
Kohlmeise23, dann 13
Haussperling688
Amsel122
Rotkehlchen111
Buntspecht1–1

Vorbereitung auf den Zähltag

  • Futterstelle und Tränke im Winter rechtzeitig vorher einrichten, damit die Vögel den Platz kennen.
  • Bestimmungshilfe bereitlegen: Veranstalter bieten oft Zählkarten mit Bildern der häufigsten Arten an.
  • Fernglas, Stift und Liste griffbereit halten.
  • Zeitpunkt wählen: Am Vormittag sind meist mehr Vögel aktiv als am Nachmittag.
  • Ruhe schaffen: Haustiere drinnen lassen, nicht ständig im Garten herumlaufen.

Meldeplattformen für das ganze Jahr

Wer nicht nur einmal im Jahr zählen möchte, kann Beobachtungen jederzeit auf Online-Meldeplattformen eintragen. In Deutschland ist das Portal ornitho.de weit verbreitet, das von Fachverbänden der Vogelkunde betrieben wird. Dort kannst du Beobachtungen mit genauem Ort, Anzahl und Verhalten melden. Auch internationale Plattformen werden genutzt.

Vorteile:

  • Deine Beobachtungen fließen in Verbreitungskarten, Atlanten und wissenschaftliche Auswertungen ein.
  • Du kannst deine eigenen Beobachtungen über Jahre verwalten.
  • Du siehst, was andere in deiner Umgebung beobachten, und erfährst, wo seltene Arten zu sehen sind.

Bei sensiblen Arten wie brütenden Eulen, Greifvögeln oder Raritäten werden die genauen Orte oft automatisch verborgen, um Störungen zu vermeiden. Bitte achte auch selbst darauf, solche Informationen nicht öffentlich in sozialen Medien zu verbreiten.

Wissenschaftliche Monitoringprogramme

Für Fortgeschrittene gibt es langfristige Erfassungsprogramme, die nach festen Methoden arbeiten:

  • Monitoring häufiger Brutvögel: Freiwillige begehen jedes Jahr mehrmals im Frühjahr eine feste Strecke und erfassen alle Brutvögel. Aus diesen Daten werden die offiziellen Bestandstrends für Deutschland berechnet.
  • Wasservogelzählung: Im Winter werden an festen Terminen die Wasservögel an Seen, Flüssen und Küsten gezählt.
  • Spezielle Erfassungen: etwa für Weißstörche, Kraniche, Eulen oder Gebäudebrüter.

Für diese Programme braucht man gute Artenkenntnis, besonders der Stimmen, und die Bereitschaft, über Jahre dabeizubleiben. Wer Interesse hat, kann sich bei den Fachverbänden für Vogelkunde in seinem Bundesland melden. Viele bieten Einführungen an.

EuroBirdwatch und andere Aktionen

Am ersten Oktoberwochenende findet in vielen Ländern Europas der EuroBirdwatch statt. Naturschutzverbände laden zu Beobachtungen des Vogelzugs ein, oft mit Spektiven und Fachleuten vor Ort. Dazu kommen regionale Aktionen, etwa Zählungen von Mauerseglern, Schwalbennestern oder Kranichen. Informationen dazu findest du bei den Naturschutzverbänden in deiner Region.

Ringfunde melden

Wenn du einen beringten Vogel findest, tot oder lebendig, oder einen Ring mit dem Fernglas ablesen kannst, melde die Nummer an die auf dem Ring angegebene Vogelwarte. Jede Rückmeldung hilft, Zugwege, Lebensdauer und Ansiedlungsverhalten besser zu verstehen. Du bekommst in der Regel eine Rückmeldung, wo und wann der Vogel beringt wurde.

Was mit deinen Daten passiert

Die Ergebnisse der Mitmachaktionen werden von den Veranstaltern ausgewertet und meist wenige Wochen später veröffentlicht. Sie zeigen zum Beispiel:

  • Trends: Welche Arten nehmen zu, welche ab?
  • Regionale Unterschiede: Wo sind Spatzen häufig, wo selten?
  • Auffälligkeiten: Wo traten Krankheiten auf, wo fehlten bestimmte Arten plötzlich?

Die Daten aus den einfachen Gartenzählungen sind statistisch nicht so genau wie die aus strukturierten Monitoringprogrammen, weil Teilnehmer und Orte von Jahr zu Jahr wechseln. Durch die große Zahl an Meldungen liefern sie trotzdem wertvolle Hinweise und machen auf Veränderungen aufmerksam, die anschließend gezielt untersucht werden können.

Mit Kindern und Schulklassen zählen

Vogelzählungen sind ideal für Familien, Kitas und Schulen. Es gibt oft eigene Materialien, Zählkarten und Aktionen für Kinder. Kinder lernen dabei spielerisch Arten kennen und erleben, dass ihre Beobachtung für die Wissenschaft zählt. Tipps für den Einstieg mit Kindern gibt auch der Ratgeber Vogelbeobachtung für Einsteiger.

Typische Fehler beim Zählen

Selbst erfahrene Teilnehmer machen manchmal dieselben Fehler. Mit diesen Hinweisen werden deine Daten noch zuverlässiger:

  • Zusammenzählen statt Höchstzahl: Wer alle Sichtungen addiert, zählt dieselben Vögel mehrfach. Gerade bei Meisen und Spatzen, die ständig kommen und gehen, ist die Höchstzahl die richtige Methode.
  • Verwechslungen: Weibliche Buchfinken werden oft als Spatzen gemeldet, junge Amseln als Drosseln, Heckenbraunellen als Sperlinge. Im Zweifel lieber weglassen. Hilfe bietet der Ratgeber Verwechslungspaare bei Gartenvögeln.
  • Ort und Zeit nicht notiert: Ohne genaue Angaben lassen sich Meldungen nicht sinnvoll auswerten.
  • Futterplatz kurz vorher frisch einrichten: Wer eine Futterstelle nur für den Zähltag aufstellt, verändert das Ergebnis. Besser ist eine Futterstelle, die schon einige Wochen besteht, oder gar keine.
  • Nur besondere Tage melden: Wer nur meldet, wenn viele oder seltene Vögel da waren, verzerrt das Bild. Auch ein ruhiger Tag ist eine wertvolle Information.

Vom Zählen zum Schützen

Viele Menschen, die einmal bei einer Vogelzählung mitgemacht haben, bleiben dabei. Manche schließen sich einer Ortsgruppe an, betreuen Nistkästen, kartieren Mauersegler oder pflegen eine Streuobstwiese. Aus der einen Stunde am Fenster kann so ein lebendiges Engagement werden. Ideen für den eigenen Garten liefert der Ratgeber Vogelfreundlichen Garten anlegen.

Häufige Fragen

Muss ich alle Arten kennen, um mitzumachen? Nein. Melde nur, was du sicher erkennst. Schon die häufigsten zehn Arten zu zählen, ist eine wertvolle Hilfe.

Was, wenn an meinem Zähltag kaum Vögel kommen? Auch das ist eine wichtige Information. Bitte melde dein Ergebnis trotzdem.

Darf ich auch im Park zählen? Ja, viele Aktionen erlauben das. Wähle einen festen Platz und notiere ihn.

Kann ich an mehreren Orten zählen? Ja, aber jede Zählung wird getrennt gemeldet, mit eigenem Ort und eigener Uhrzeit. So bleiben die Daten vergleichbar.

Brauche ich ein Konto? Für die großen Mitmachaktionen meist nicht. Für Meldeplattformen, die deine Beobachtungen über Jahre speichern, legst du in der Regel ein kostenloses Benutzerkonto an.

Zählen Vögel, die nur überfliegen? Das regeln die Teilnahmehinweise der jeweiligen Aktion. Im Zweifel nur Vögel zählen, die sich in deinem Beobachtungsbereich aufhalten.

Fazit

Vogelzählungen sind eine einfache Möglichkeit, aus der eigenen Freude an Vögeln einen Beitrag zum Naturschutz zu machen. Bei der Stunde der Wintervögel im Januar und der Stunde der Gartenvögel im Mai genügt eine Stunde am Fenster. Wichtig ist, für jede Art nur die höchste gleichzeitig gesehene Zahl zu notieren und nur sichere Bestimmungen zu melden. Wer mehr will, nutzt Meldeplattformen oder beteiligt sich an Monitoringprogrammen. Jede Meldung hilft zu verstehen, wie es unseren Vögeln geht.

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