Nistkästen & Lebensraum
Schwalben und Mauersegler am Haus: Unterschiede erkennen und Brutplätze schaffen
Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Mauersegler sicher unterscheiden, warum ihnen Brutplätze fehlen, welche Nisthilfen helfen, was rechtlich gilt und wie Kotbrett und Lehmpfütze funktionieren.
Schwalben und Mauersegler gehören zum Sommer wie lange Abende und das Summen der Bienen. Sie jagen in rasantem Flug Insekten über Dächern, Wiesen und Teichen, und ihre Rufe begleiten uns von Mai bis August. Doch viele Menschen können die drei häufigsten Arten kaum auseinanderhalten, und noch weniger wissen, dass alle drei in vielen Regionen auf Hilfe angewiesen sind. Denn sie brüten an und in unseren Gebäuden, und genau dort verschwinden ihre Brutplätze.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Mauersegler unterscheidest, warum sie es schwer haben und wie du ihnen mit Nisthilfen, Lehm und ein wenig Toleranz helfen kannst.
Drei Arten, zwei Familien
Rauchschwalbe und Mehlschwalbe sind Schwalben. Der Mauersegler sieht ihnen ähnlich, gehört aber zu einer ganz anderen Vogelfamilie, den Seglern. Seine nächsten Verwandten sind, so überraschend das klingt, die Kolibris. Die Ähnlichkeit kommt daher, dass alle drei Arten Insekten im Flug jagen und dafür ähnliche Körperformen entwickelt haben.
So unterscheidest du die drei
| Merkmal | Rauchschwalbe | Mehlschwalbe | Mauersegler |
|---|---|---|---|
| Oberseite | glänzend blauschwarz | blauschwarz mit leuchtend weißem Bürzel | ganz dunkel, rußbraun |
| Unterseite | rahmweiß, rotbraune Kehle und Stirn | reinweiß | dunkel, nur heller Kehlfleck |
| Schwanz | lange Schwanzspieße | kurz, leicht gegabelt | kurz, gegabelt |
| Flügel | spitz, eher schmal | kürzer, breiter | lange, sichelförmige Flügel |
| Größe | etwa 17–19 cm mit Spießen | etwa 13 cm | etwa 17 cm, Spannweite um 40 cm |
| Nest | offene Lehmschale innen in Ställen, Scheunen, Garagen | geschlossenes Lehmnest außen unter Dachvorsprüngen | Hohlräume unter Dächern, in Mauerspalten |
| Ruf | zwitschernd, plaudernd | trockenes „prrt“ | schrilles „srieh“, oft im Chor |
| Zeit bei uns | etwa April bis September | etwa April bis September | etwa Anfang Mai bis Anfang August |
Merksätze: Lange Spieße und rote Kehle sind Rauchschwalbe. Weißer Po ist Mehlschwalbe. Ganz dunkel und Sichelflügel, dazu schrille Rufe in Gruppen, ist Mauersegler.
Die Rauchschwalbe
Die Rauchschwalbe ist der klassische Stallvogel. Sie brütet im Inneren von Gebäuden: in Kuhställen, Pferdeställen, Scheunen, offenen Garagen und Schuppen. Ihr Nest ist eine offene Schale aus Lehmklümpchen und Halmen, die auf einem Balken, einer Lampe oder einem Vorsprung klebt. Sie braucht dafür einen ständig offenen Zugang, etwa ein gekipptes Fenster, eine Öffnung über der Tür oder ein offenes Tor.
Weil es immer weniger Höfe mit Tierhaltung gibt und Ställe oft dicht verschlossen werden, sind Rauchschwalben vielerorts seltener geworden. Außerdem finden sie in modernen, sauberen Ställen weniger Insekten, und offene Lehmflächen für den Nestbau fehlen.
Die Mehlschwalbe
Die Mehlschwalbe baut ihr Nest außen am Haus, direkt unter Dachvorsprüngen, Balkonen oder Traufen. Es ist eine fast geschlossene Halbkugel aus Lehmkügelchen mit einem kleinen Einflugloch oben. Für ein Nest braucht ein Paar mehrere hundert bis über tausend Lehmklümpchen, die es im Schnabel herbeiträgt. Mehlschwalben brüten gern in Kolonien, oft mit vielen Nestern nebeneinander.
Probleme für die Mehlschwalbe sind glatte, moderne Fassaden, an denen Lehm schlecht haftet, fehlende Lehmpfützen in versiegelten Siedlungen und leider auch Menschen, die Nester wegen des Kots entfernen.
Der Mauersegler
Der Mauersegler ist ein Meister der Luft. Er verbringt fast sein ganzes Leben fliegend: Er frisst, trinkt, sammelt Nistmaterial und schläft sogar im Flug. Junge Mauersegler, die das Nest verlassen, landen oft jahrelang nicht, bis sie selbst brüten. Seine Füße sind so kurz, dass er vom Boden aus nicht starten kann. Ein Mauersegler am Boden braucht deshalb immer Hilfe, siehe Jungvogel gefunden: was tun?.
Mauersegler brüten in Hohlräumen an hohen Gebäuden: unter Dachziegeln, hinter Regenrinnen und Verblendungen, in Mauerlöchern von Altbauten und Kirchtürmen. Sie sind ihren Brutplätzen über viele Jahre treu. Wenn ein Gebäude saniert und alle Spalten verschlossen werden, verliert eine ganze Kolonie ihre Brutplätze, oft ohne dass es jemand bemerkt.
Typisch sind ihre abendlichen Flugspiele, bei denen Gruppen laut rufend in hohem Tempo um die Häuser jagen.
Was rechtlich gilt
Alle drei Arten sind wie alle europäischen Vogelarten geschützt. Für Gebäudebrüter ist eine Regel besonders wichtig: Ihre Fortpflanzungsstätten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Da Schwalben und Mauersegler ihre Nester und Brutplätze Jahr für Jahr wieder nutzen, gilt dieser Schutz auch dann, wenn die Vögel gerade im Winterquartier in Afrika sind. Schwalbennester dürfen also nicht einfach entfernt werden, auch nicht im Winter. Bei Sanierungen, die Brutplätze betreffen, muss in der Regel die untere Naturschutzbehörde einbezogen werden, und oft sind Ersatzbrutplätze vorgeschrieben.
So hilfst du Rauchschwalben
- Zugang offen halten: Lass von April bis September ein Fenster gekippt oder eine Öffnung von mindestens etwa 7 × 7 Zentimetern frei, damit die Schwalben in Stall, Scheune oder Garage gelangen.
- Nisthilfen anbringen: Fertige Nistschalen aus Holzbeton oder kleine Holzbrettchen unter der Decke, etwa 10 bis 20 Zentimeter unter dem Dach, bieten Halt für den Nestbau.
- Lehmpfütze anlegen: Eine feuchte Stelle mit lehmiger Erde in der Nähe hilft beim Nestbau.
- Insekten fördern: Wiesen, Weiden und ein Misthaufen in der Nähe locken Insekten an.
So hilfst du Mehlschwalben
Kunstnester
Kunstnester aus Holzbeton werden unter Dachvorsprüngen angebracht und von Mehlschwalben oft schnell angenommen, besonders wenn bereits eine Kolonie in der Nähe brütet. Häng mehrere Nester nebeneinander auf, denn Mehlschwalben brüten gesellig. Die Nester sollten möglichst hoch hängen, mit einem freien Anflug von unten.
Kotbrett
Viele Menschen stören sich am Kot unter den Nestern. Die einfache Lösung ist ein Kotbrett: ein schmales Brett, etwa 50 bis 60 Zentimeter unter den Nestern an der Wand montiert. Es fängt den Kot auf, hält die Fassade sauber und darf nicht direkt unter dem Nest sitzen, damit Katzen und Elstern es nicht als Sprungbrett nutzen.
Lehmpfütze
Eine Lehmpfütze in der Nähe ist für Mehlschwalben enorm wichtig, besonders in trockenen Frühjahren und in versiegelten Siedlungen. So legst du sie an:
- Eine flache Mulde von etwa einem halben Quadratmeter ausheben.
- Lehmigen Boden oder Lehm aus dem Baumarkt einfüllen und mit etwas Sand und Stroh mischen.
- Regelmäßig befeuchten, damit sie matschig bleibt.
- An einer offenen Stelle mit freier Sicht anlegen, damit die Schwalben beim Sammeln Katzen rechtzeitig sehen.
Auch Rauchschwalben nutzen solche Pfützen gern.
So hilfst du Mauerseglern
- Mauerseglerkästen unter der Dachkante anbringen, in mindestens fünf bis sechs Metern Höhe, mit freiem Anflug ohne Bäume oder Hindernisse davor. Mehrere Kästen nebeneinander, denn Mauersegler brüten in Kolonien.
- Einbausteine bei Sanierung oder Neubau direkt in die Fassade oder Dämmung integrieren. Sie sind unsichtbar und halten Jahrzehnte.
- Bestehende Brutplätze erhalten: Wenn bei einer Fassadensanierung Hohlräume verschlossen werden sollen, frag nach, ob dort Mauersegler brüten. Arbeiten sollten außerhalb der Brutzeit stattfinden, und für jeden verlorenen Brutplatz sollte ein Ersatz geschaffen werden.
- Lockrufe: Neue Kästen werden schneller angenommen, wenn man in der Ansiedlungszeit Mauerseglerrufe über einen kleinen Lautsprecher in der Nähe abspielt. Diese Methode wird von Fachleuten bei Ansiedlungsprojekten eingesetzt.
Welche Kastentypen es gibt und wie sie aufgebaut sind, beschreibt der Ratgeber Nistkastentypen und Einflugloch.
Wenn Brutplätze bei einer Sanierung verloren gehen
Viele Kolonien verschwinden, weil bei Sanierungen niemand an die Vögel denkt. Wenn du in deinem Haus oder in deiner Straße eine Sanierung planst oder mitbekommst:
- Frühzeitig prüfen, ob am Gebäude Schwalben oder Mauersegler brüten. Schau im Sommer abends, wo Vögel ein- und ausfliegen.
- Die untere Naturschutzbehörde informieren oder einen Naturschutzverband um Rat fragen.
- Arbeiten außerhalb der Brutzeit planen, also von etwa Mitte August bis März, je nach Art.
- Ersatzbrutplätze einplanen, am besten in Form von Einbausteinen oder Kästen an derselben Fassade.
Die Reise nach Afrika
Alle drei Arten verbringen den Winter südlich der Sahara. Rauch- und Mehlschwalben ziehen im September und Oktober in großen Trupps, oft nach tagelangem Sammeln auf Stromleitungen. Mauersegler verlassen uns schon Ende Juli oder Anfang August, oft fast unbemerkt, und überwintern im tropischen und südlichen Afrika. Auf dem Weg legen sie viele tausend Kilometer zurück und sind dabei auf ein gutes Insektenangebot entlang der Route angewiesen. Dürren in den Überwinterungsgebieten, der Verlust von Rastplätzen und weniger Insekten in Europa setzen den Beständen zu. Umso wichtiger ist, dass sie bei ihrer Rückkehr im Frühjahr sichere Brutplätze vorfinden. Mehr über das Phänomen des Vogelzugs erfährst du im Ratgeber Zugvögel und Wintergäste.
Schwalben und Mauersegler beobachten
An warmen Sommerabenden lohnt es sich, einfach nach oben zu schauen. Mauersegler jagen in großen Höhen, wenn das Wetter gut ist, und kommen bei Gewitterstimmung tiefer. Mehlschwalben fliegen oft in Gruppen über Dächern und Gärten, Rauchschwalben eher dicht über Wiesen und Wasserflächen. Wer ein Fernglas zur Hand hat, erkennt im Flug die Unterschiede in Flügelform und Farbe. Tipps zur Wahl eines Fernglases gibt der Ratgeber Fernglas für die Vogelbeobachtung.
Häufige Fragen
Kommen Schwalben jedes Jahr zum selben Nest zurück? Oft ja. Viele Paare kehren zu ihrem Brutplatz aus dem Vorjahr zurück und bessern das alte Nest aus.
Warum fliegen Schwalben bei schlechtem Wetter tief? Bei feuchtem, kühlem Wetter fliegen Insekten tiefer, und die Schwalben folgen ihnen. Die alte Bauernregel hat also einen wahren Kern.
Wie erkenne ich einen jungen Mauersegler am Boden? Er hat ein dunkles Gefieder mit hellen Federsäumen, lange Flügel und kann sich am Boden kaum bewegen. Er braucht immer Hilfe von einer fachkundigen Station.
Kann ich Mehlschwalbennester entfernen, wenn sie stören? Nein. Die Nester sind ganzjährig geschützt. Ein Kotbrett löst das Problem mit dem Schmutz.
Fazit
Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Mauersegler sind Sommergäste, die auf unsere Gebäude angewiesen sind. Die Rauchschwalbe brütet innen in Ställen und erkennt man an Schwanzspießen und roter Kehle, die Mehlschwalbe außen unter Dachvorsprüngen mit weißem Bürzel, der Mauersegler in Hohlräumen hoher Gebäude mit sichelförmigen Flügeln und schrillen Rufen. Offene Stallfenster, Kunstnester, Mauerseglerkästen, Lehmpfützen und Kotbretter helfen ihnen. Und wer bei Sanierungen an die Vögel denkt, rettet oft ganze Kolonien.