Gartenvögel
Die Amsel im Garten: Gesang, Nest, Nahrung, Usutu-Virus und wie du hilfst
Alles über die Amsel im Garten: Männchen, Weibchen und Jungvögel erkennen, Gesang, Brut und Nestbau, Nahrung im Jahreslauf, das Usutu-Virus und praktische Hilfe.
Die Amsel ist für viele Menschen der Inbegriff des Gartenvogels. Ihr Gesang gehört zum Frühlingsabend wie der Duft von Flieder, und wenn sie auf dem Rasen den Kopf schief legt, um nach Regenwürmern zu lauschen, schaut man unwillkürlich zu. Dabei war die Amsel vor knapp zweihundert Jahren noch ein scheuer Waldvogel. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts begann sie, in Parks und Gärten zu brüten, und heute ist sie in fast jeder Stadt Deutschlands zu Hause.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du Männchen, Weibchen und Jungvögel unterscheidest, wie das Amseljahr abläuft, was es mit dem Amselsterben durch das Usutu-Virus auf sich hat und wie du Amseln in deinem Garten unterstützt.
Amseln erkennen
Die Amsel gehört zur Familie der Drosseln. Sie ist etwa 24 bis 27 Zentimeter lang und damit deutlich größer als ein Spatz, aber kleiner als eine Taube. Typisch ist ihre aufrechte Haltung am Boden, der lange Schwanz, den sie nach der Landung kurz anhebt, und die hüpfende Fortbewegung.
Das Männchen
Das Männchen ist tiefschwarz und hat einen leuchtend orangegelben Schnabel sowie einen gelben Ring ums Auge. Junge Männchen im ersten Jahr wirken oft matter schwarz bis dunkelbraun, mit bräunlichen Flügeln und einem dunkleren Schnabel, der erst im Laufe des Winters gelb wird.
Das Weibchen
Das Weibchen ist dunkelbraun, die Kehle oft etwas heller und die Brust leicht gefleckt oder gestrichelt. Der Schnabel ist bräunlich bis schmutzig gelb. Viele Menschen halten Amselweibchen für eine andere Art, manchmal sogar für eine Drossel, was streng genommen ja auch stimmt.
Jungvögel
Frisch ausgeflogene Amseln sind rötlich braun und auf Brust und Rücken hell gefleckt. Sie haben oft noch einen kurzen Schwanz und sitzen etwas unbeholfen im Gebüsch oder auf dem Rasen. In dieser Phase werden sie häufig für Singdrosseln gehalten. Wie du Amseln von ihren Verwandten unterscheidest, erklärt der Ratgeber Drosseln unterscheiden.
Teilalbinos
Gelegentlich sieht man Amseln mit einzelnen weißen Federn oder großen weißen Flecken. Das ist eine Pigmentstörung, die bei Amseln vergleichsweise häufig vorkommt. Solche Vögel sind meist gesund, fallen aber Greifvögeln leichter auf.
Der Gesang
Das Lied der Amsel ist eines der schönsten in unseren Gärten: tiefe, flötende Strophen, die ruhig und fast improvisiert klingen und oft mit einem leiseren, zwitschernden Teil enden. Die Männchen singen von erhöhten Warten aus, etwa von Dachfirsten, Antennen und Baumspitzen.
- Wann: von etwa Februar bis Juli, am intensivsten in der Morgen- und Abenddämmerung.
- Warum: um das Revier abzugrenzen und Weibchen anzulocken.
- In der Stadt: Amseln singen in beleuchteten Straßen manchmal schon mitten in der Nacht, weil künstliches Licht ihren Tagesrhythmus verschiebt.
Neben dem Gesang hat die Amsel auffällige Rufe. Das aufgeregte, schnelle „tix-tix-tix“ oder ein schrilles Zetern ist ein Warnruf, etwa wenn eine Katze durch den Garten schleicht. Abends hört man oft ein anhaltendes „tschink-tschink“, mit dem Amseln vor dem Schlafengehen Unruhe zeigen. Wie du Vogelstimmen sicher erkennst, beschreibt der Ratgeber Vogelstimmen lernen.
Was Amseln fressen
Amseln sind Allesfresser mit klaren Vorlieben je nach Jahreszeit.
| Jahreszeit | Hauptnahrung |
|---|---|
| Frühjahr | Regenwürmer, Insektenlarven, Schnecken, Spinnen |
| Sommer | Insekten, Würmer, erste Beeren und Kirschen |
| Herbst | Beeren von Holunder, Eberesche, Weißdorn, Efeu, Fallobst |
| Winter | Beeren, Fallobst, am Futterplatz Haferflocken, Rosinen, Weichfutter |
Typisch ist die Jagdweise auf dem Rasen: Die Amsel hüpft einige Schritte, bleibt stehen, legt den Kopf schief und stößt dann blitzschnell zu. Lange glaubte man, sie lausche dabei nach Würmern. Heute geht man davon aus, dass sie vor allem schaut, denn ihre Augen sitzen seitlich am Kopf. Auch im Laub wühlt sie gern und wirft es dabei kräftig zur Seite. Wer im Herbst nicht jedes Blatt entfernt, bietet ihr deshalb einen gedeckten Tisch.
Am Futterplatz bevorzugt die Amsel Futter am Boden oder auf einer flachen Futterstelle. Sie frisst gern Haferflocken, die in Öl oder Fett getränkt sind, Rosinen, Äpfel und Weichfuttermischungen. Körner pickt sie seltener. Mehr dazu im Ratgeber Vogelfutter: welche Sorte für welchen Vogel.
Brut und Nest
Amseln brüten früh und oft. Schon im März beginnen viele Paare mit dem Nestbau, und bis in den Sommer hinein können zwei, manchmal drei Bruten folgen.
Wo Amseln brüten
Amseln sind keine Höhlenbrüter. Sie bauen ihr Nest frei in dichten Sträuchern, Hecken, Kletterpflanzen und Nadelgehölzen, oft in ein bis drei Metern Höhe. In Städten nutzen sie auch Balkonkästen, Holzstapel, Dachbalken und Fensterbänke. Ein Nistkasten mit rundem Loch ist für sie ungeeignet, eine Halbhöhle oder eine offene Nistschale an einer geschützten Hauswand nehmen sie dagegen gelegentlich an. Mehr dazu im Ratgeber Nistkastentypen und Einflugloch.
Das Nest
Das Weibchen baut eine stabile Schale aus Gras, Halmen und Moos, die es innen mit einer Schicht aus feuchter Erde oder Lehm verstärkt und mit feinen Halmen auspolstert. In das Nest legt es meist vier bis fünf blaugrüne, rotbraun gesprenkelte Eier.
Brut und Aufzucht
- Brutdauer: etwa 13 bis 14 Tage, nur das Weibchen brütet.
- Nestlingszeit: etwa 13 bis 15 Tage. Beide Eltern füttern.
- Ästlingszeit: Die Jungen verlassen das Nest, bevor sie richtig fliegen können. Sie verstecken sich in der Umgebung und werden noch zwei bis drei Wochen von den Eltern versorgt, oft vor allem vom Männchen, während das Weibchen schon die nächste Brut beginnt.
Viele Amselbruten scheitern. Elstern, Eichelhäher, Katzen, Marder und Eichhörnchen plündern Nester, und lange Trockenperioden machen die Nahrungssuche schwer. Deshalb versuchen Amseln es mehrmals im Jahr.
Ein Jungvogel sitzt auf dem Rasen
Gerade bei Amseln kommt es im Frühjahr ständig vor: Ein kleiner, gefleckter Vogel mit kurzem Schwanz sitzt im Gras und kann nicht richtig fliegen. Meist ist das ein Ästling, der völlig normal das Nest verlassen hat und von seinen Eltern weiter gefüttert wird. Er braucht in der Regel keine Hilfe. Halte Katzen fern, beobachte aus Abstand und nimm den Vogel nur auf, wenn er auf einer Straße sitzt oder offensichtlich verletzt ist. Dann setzt du ihn in den nächsten Busch. Die Eltern finden ihn dort wieder. Ausführlich erklärt das der Ratgeber Jungvogel gefunden: was tun?.
Das Usutu-Virus und das Amselsterben
Seit 2011 sterben in Deutschland in manchen Sommern auffällig viele Amseln. Ursache ist meist das Usutu-Virus, ein ursprünglich aus Afrika stammendes Virus, das von Stechmücken übertragen wird. Es trat zuerst im Oberrheingraben auf und hat sich seither über große Teile Deutschlands ausgebreitet. Besonders betroffen sind Amseln, aber auch andere Vogelarten können erkranken.
Woran erkennt man kranke Amseln?
Erkrankte Vögel wirken apathisch, sitzen aufgeplustert und fliehen nicht mehr. Manche taumeln oder haben Kopfgefieder verloren. Die meisten sterben innerhalb weniger Tage. Ausbrüche fallen typischerweise in den Spätsommer, wenn viele Stechmücken unterwegs sind.
Was du tun kannst
- Tote oder kranke Amseln melden: Naturschutzverbände und Forschungseinrichtungen sammeln Meldungen, um die Ausbreitung zu verfolgen. Manche Labore untersuchen eingesandte tote Vögel. Fasse tote Tiere nur mit Handschuhen oder einer übergestülpten Tüte an.
- Stehendes Wasser reduzieren: Regentonnen abdecken, Wasser in Untersetzern regelmäßig leeren. So vermehren sich weniger Mücken. Eine Vogeltränke solltest du trotzdem anbieten, aber das Wasser alle ein bis zwei Tage wechseln. Hinweise dazu im Ratgeber Vogeltränke und Vogelbad.
- Keine Panik: Die Amselbestände haben sich in vielen Regionen nach Ausbrüchen wieder erholt. Ein Garten mit guten Nistplätzen und Nahrung hilft dabei.
Für Menschen gilt das Usutu-Virus nach heutigem Wissen als sehr geringes Risiko. Bei Fragen zu Gesundheit wende dich an deine Ärztin oder deinen Arzt.
Ziehen Amseln im Winter weg?
Die Amsel ist ein sogenannter Teilzieher. Viele Amseln in Deutschland bleiben das ganze Jahr in ihrem Revier, besonders die Männchen in Städten. Ein Teil der Vögel, vor allem Weibchen und Jungvögel, zieht im Herbst aber nach Südwesteuropa. Gleichzeitig kommen Amseln aus Skandinavien und Osteuropa zu uns, um hier zu überwintern. Die Amsel, die im Januar an deinem Futterplatz sitzt, ist also nicht unbedingt dieselbe, die im Frühjahr in deiner Hecke brütet. Mehr über den Vogelzug liest du im Ratgeber Zugvögel und Wintergäste.
So hilfst du Amseln im Garten
Dichte Hecken und Sträucher
Amseln brauchen Deckung zum Brüten. Am besten geeignet sind heimische, dichte Sträucher wie Weißdorn, Liguster, Hainbuche, Wildrosen oder eine mit Efeu bewachsene Wand. Schneide Hecken nicht während der Brutzeit radikal zurück. Zwischen dem 1. März und dem 30. September sind starke Rückschnitte von Hecken und Gebüschen nach dem Bundesnaturschutzgesetz ohnehin verboten; erlaubt sind nur schonende Form- und Pflegeschnitte, und auch dabei darf kein Nest gestört werden. Welche Sträucher besonders wertvoll sind, zeigt der Ratgeber Heimische Sträucher für Vögel.
Laub und Boden
Ein Rasen, der nicht ständig gemäht wird, und Beete mit Laub als Mulch sind für Amseln ideale Jagdgründe. Hier finden sie Würmer, Käfer und Larven. Lass im Herbst einen Teil des Laubs unter den Sträuchern liegen.
Beeren für den Herbst und Winter
Pflanzen wie Eberesche, Holunder, Pfaffenhütchen, Efeu, Weißdorn und Felsenbirne liefern Beeren bis in den Winter. Wer Fallobst liegen lässt, beobachtet an frostigen Tagen oft mehrere Amseln und Wacholderdrosseln, die sich darum streiten.
Wasser
Amseln baden ausgiebig, sogar im Winter. Eine flache Schale mit sauberem Wasser ist für sie ein Magnet.
Katzen und Glas
Katzen erbeuten besonders oft bodennah lebende Vögel wie Amseln. Glocken am Halsband helfen nur begrenzt. Sinnvoller ist es, Futterstellen und Nistplätze katzensicher zu gestalten. Tipps dazu findest du im Ratgeber Katzen und Vögel im Garten.
Fazit
Die Amsel ist ein Gartenvogel mit Charakter: schwarz mit gelbem Schnabel das Männchen, braun das Weibchen, gefleckt die Jungen. Sie singt die schönsten Abendlieder, brütet mehrmals im Jahr in dichten Hecken und sucht auf Rasen und im Laub nach Würmern. Mit dichten heimischen Sträuchern, etwas liegen gelassenem Laub, Beerensträuchern und einer sauberen Tränke bietest du ihr alles, was sie braucht. Und wenn im Spätsommer eine Amsel krank wirkt, hilft deine Meldung der Forschung, das Usutu-Virus besser zu verstehen.