Zum Inhalt springen
ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

Gartenvögel

Haussperling: Warum Spatzen seltener werden und wie du ihnen konkret hilfst

Spatzen gehören zum Haus, doch in vielen Städten fehlen sie. Lebensweise des Haussperlings, Gründe für den Rückgang und sechs wirksame Hilfen für Garten und Fassade.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Der Spatz ist so alltäglich, dass man ihn kaum noch wahrnimmt. Er tschilpt in der Hecke vor dem Café, badet im Staub neben dem Fahrradständer und holt sich Krümel vom Biergartentisch. Gleichzeitig ist er ein Vogel, um den sich Naturschützer seit Jahren sorgen: In vielen Großstädten Europas, etwa in London oder Hamburg, sind die Bestände seit den 1970er-Jahren stark zurückgegangen. In manchen Stadtvierteln, in denen früher Hunderte Spatzen lebten, hört man heute kaum noch einen.

Dieser Ratgeber stellt dir den Haussperling vor, erklärt, warum er Probleme hat, und zeigt, was du an Haus und Garten tun kannst, damit er wieder mehr Platz findet.

Den Haussperling erkennen

Der Haussperling ist etwa 14 bis 16 Zentimeter lang und wiegt rund 25 bis 35 Gramm. Er wirkt kompakt, mit kräftigem, kegelförmigem Körnerfresserschnabel.

  • Männchen: grauer Oberkopf, kastanienbrauner Streifen vom Auge bis in den Nacken, graue Wangen, schwarzer Kehllatz. Im Frühjahr ist der Latz groß und tiefschwarz, und der Schnabel färbt sich schwarz. Im Herbst und Winter wird der Latz durch helle Federsäume kleiner und unscheinbarer, der Schnabel heller.
  • Weibchen: graubraun, Rücken mit dunklen und hellbraunen Streifen, ein heller Überaugenstreif, keine schwarze Zeichnung.
  • Jungvögel: ähnlich wie das Weibchen, oft mit gelblichen Schnabelwinkeln.

Verwechseln kann man ihn mit dem Feldsperling. Bei diesem sehen beide Geschlechter gleich aus: schokoladenbrauner Scheitel, weiße Wangen mit einem schwarzen Fleck, ein kleinerer Kehllatz. Weitere schwierige Paare stellt der Ratgeber Verwechslungspaare bei Gartenvögeln vor.

Ein Leben in der Kolonie

Spatzen sind ausgesprochen gesellige Vögel. Sie brüten in lockeren Kolonien, suchen gemeinsam Futter, baden zusammen und sitzen tagsüber in dichten Hecken oder Büschen, wo sie lautstark „schwatzen“. Diese Treffpunkte sind für den Zusammenhalt der Kolonie wichtig.

Standorttreu

Haussperlinge sind Standvögel. Sie bleiben das ganze Jahr in der Nähe ihres Brutplatzes und entfernen sich selten weiter als ein bis zwei Kilometer. Das bedeutet auch: Wenn eine Kolonie verschwindet, dauert es lange, bis sich wieder Spatzen ansiedeln, weil kaum Vögel aus anderen Gegenden zuwandern.

Brüten an Gebäuden

Der Haussperling ist ein Kulturfolger, der seit Jahrtausenden mit dem Menschen lebt. Er brütet am liebsten in Höhlen und Nischen an Gebäuden: unter Dachziegeln, in Mauerlöchern, hinter Regenrinnen, in Rollladenkästen oder in den Nestern von Mehlschwalben. Das Nest ist ein unordentlicher Ballen aus Halmen, Papier, Federn und Wolle.

Viele Bruten

Ein Spatzenpaar brütet zwei- bis dreimal, manchmal viermal pro Jahr. Ein Gelege besteht meist aus vier bis sechs Eiern. Gebrütet wird knapp zwei Wochen, und nach etwa zwei weiteren Wochen verlassen die Jungen das Nest.

Staub- und Wasserbad

Spatzen pflegen ihr Gefieder, indem sie in trockener, lockerer Erde baden. Dabei schütteln sie Staub ins Gefieder, was wahrscheinlich gegen Federparasiten hilft. Wer eine sonnige, unbewachsene Stelle im Garten hat, beobachtet dort oft kleine Kuhlen, in denen mehrere Spatzen gleichzeitig „baden“.

Was Spatzen fressen

Erwachsene Spatzen ernähren sich überwiegend von Samen und Getreide, von Knospen und von allem, was der Mensch übrig lässt. Für ihre Jungen brauchen sie aber in den ersten Lebenstagen Insekten: Blattläuse, kleine Raupen, Käfer und Spinnen. Ohne genug Insekten verhungern Nestlinge, auch wenn es Körner im Überfluss gibt. Das ist einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang.

Warum Spatzen seltener werden

Es gibt nicht den einen Grund, sondern mehrere, die zusammenwirken.

1. Fehlende Nistplätze

Moderne Neubauten haben glatte Fassaden ohne Nischen. Bei der Sanierung älterer Häuser werden Dächer abgedichtet, Fassaden gedämmt und Löcher verschlossen. Ganze Kolonien verlieren so über Nacht ihre Brutplätze. Ein Gebäude mit Spatzennestern darf übrigens nicht einfach während der Brutzeit verschlossen werden: Die Fortpflanzungs- und Ruhestätten wild lebender Vögel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt, und bei Sanierungen muss das bedacht werden.

2. Zu wenige Insekten

In aufgeräumten Gärten mit kurzem Rasen, Kirschlorbeer und Schotter leben kaum Insekten. Auch der Einsatz von Insektiziden und Unkrautvernichtern verringert das Nahrungsangebot für die Jungen.

3. Fehlende Deckung

Spatzen brauchen dichte Hecken und Sträucher in der Nähe ihres Brutplatzes, um sich vor Sperbern und Katzen zu verstecken und um sich als Gruppe zu treffen. Wo Hecken durch Zäune und Mauern ersetzt werden, fehlen diese Rückzugsorte.

4. Weniger Futter im Winter

Früher fanden Spatzen in Hühnerhöfen, Pferdeställen und auf Feldern viele Körner. Heute ist vieles sauberer, Stoppelfelder werden schnell umgepflügt, und Wildkräuter mit Samen sind selten geworden.

5. Krankheiten und weitere Faktoren

Diskutiert werden auch Krankheiten wie Vogelmalaria, Luftschadstoffe und Lärm. Welche Rolle diese Faktoren im Einzelnen spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Sicher ist, dass Spatzen dort gut zurechtkommen, wo es Nistplätze, Insekten und Deckung gibt.

Sechs Maßnahmen, die wirklich helfen

1. Sperlingskoloniehaus aufhängen

Weil Spatzen in Kolonien brüten, eignet sich ein Koloniehaus mit drei oder mehr Brutkammern besser als ein einzelner Kasten. Jede Kammer hat ein eigenes Einflugloch von etwa 32 bis 35 Millimetern. Häng es mindestens drei Meter hoch an eine Hauswand, am besten unter einen Dachvorsprung, nach Osten oder Südosten ausgerichtet und geschützt vor praller Mittagssonne. Zur Sicherheit vor Katzen und Mardern sollte darunter kein Vorsprung sein, von dem aus Räuber an den Kasten gelangen. Mehr Hinweise im Ratgeber Nistkasten richtig aufhängen.

Bei Neubauten und Sanierungen lassen sich spezielle Niststeine direkt in die Fassade oder Dämmung einbauen. Sie fallen kaum auf und halten Jahrzehnte. Frag bei Bauvorhaben im Haus oder in der Nachbarschaft nach, ob solche Steine eingeplant werden. Viele Städte und Naturschutzverbände beraten dazu.

2. Dichte Hecken pflanzen

Eine freiwachsende Hecke aus heimischen Sträuchern wie Liguster, Weißdorn, Hainbuche, Hundsrose oder Kornelkirsche bietet Deckung, Treffpunkt und im Herbst Beeren. Sie sollte in der Nähe des Brutplatzes liegen, idealerweise nicht weiter als 20 bis 50 Meter entfernt. Eine Auswahl geeigneter Pflanzen findest du im Ratgeber Heimische Sträucher für Vögel.

3. Insekten fördern

Lass eine Ecke im Garten verwildern, pflanze heimische Wildblumen, verzichte auf Gift und mähe den Rasen seltener. Schon ein Streifen mit Wiesenblumen oder eine Hecke mit vielen Blattläusen im Frühjahr hilft den Spatzen bei der Aufzucht. Wie ein insektenreicher Garten aussieht, beschreibt der Ratgeber Vogelfreundlichen Garten anlegen.

4. Ein Sandbad anlegen

Eine sonnige Stelle mit feinem, trockenem Sand oder lockerer Erde, etwa einen halben Quadratmeter groß, wird von Spatzen gern zum Staubbaden genutzt. Leg sie so an, dass Katzen sich nicht ungesehen nähern können, also mit freier Sicht rundherum und einem Busch in wenigen Metern Entfernung als Fluchtpunkt.

5. Ganzjährig ein Körnerangebot

Spatzen profitieren von einer gemischten Körnerfütterung, etwa mit Sonnenblumenkernen, Hirse, Hafer und Weizen. Ob und wie du im Sommer füttern solltest, diskutiert der Ratgeber Ganzjahresfütterung: Pro und Contra. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Futterstelle sauber bleibt, denn Spatzen kommen in Gruppen, und Krankheiten verbreiten sich an verschmutzten Futterstellen schnell. Hinweise dazu im Ratgeber Futterstelle sauber halten.

6. Wildkräuter stehen lassen

Samenstände von Löwenzahn, Gänsedistel, Wegerich, Vogelmiere und Gräsern sind natürliches Spatzenfutter. Wenn du im Herbst nicht alles abschneidest, finden Spatzen und Finken bis in den Winter Nahrung.

Was du lieber vermeidest

  • Brot und gesalzene Essensreste: Sie sind für Spatzen ungesund und locken Ratten an. Mehr dazu im Ratgeber Fehler beim Vogelfüttern.
  • Nester während der Brutzeit entfernen: Das ist nicht nur traurig, sondern auch rechtlich nicht erlaubt.
  • Einzelne Nistkästen mit zu kleinem Loch: Ein 26-Millimeter-Loch ist für Blaumeisen gedacht, ein Spatz passt nicht hindurch.

Spatzen beobachten

Spatzen sind ideale Vögel für Einsteiger in die Vogelbeobachtung. Sie sind laut, gesellig und lassen sich aus der Nähe beobachten. Achte im Frühjahr auf das Balzverhalten: Mehrere Männchen hüpfen mit hängenden Flügeln und erhobenem Schwanz um ein Weibchen herum und tschilpen aufgeregt. Im Sommer kannst du Familien beobachten, in denen die Jungen mit flatternden Flügeln betteln.

Melde deine Spatzen bei den großen Mitmachzählungen wie der „Stunde der Gartenvögel“ im Mai. Diese Daten zeigen, in welchen Regionen die Bestände stabil sind und wo es Probleme gibt. Wie du mitmachst, erklärt der Ratgeber Vogelzählungen zum Mitmachen.

Spatzen und Menschen: eine lange Geschichte

Der Haussperling hat sich vermutlich schon vor Jahrtausenden mit den ersten Ackerbauern im Nahen Osten verbündet und sich mit ihnen über Europa und Asien ausgebreitet. Später brachten Menschen ihn nach Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland, wo er heute ebenfalls häufig ist. Kaum ein anderer Vogel ist so eng an menschliche Siedlungen gebunden. Das erklärt auch, warum ihn Veränderungen an unseren Häusern und Gärten so stark treffen.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis ein Koloniehaus bezogen wird? Wenn in der Nähe bereits Spatzen leben, oft nur wenige Wochen. Gibt es im Umkreis von ein bis zwei Kilometern keine Kolonie, kann es Jahre dauern, weil Spatzen kaum wandern.

Muss ich ein Koloniehaus reinigen? Ja, einmal im Jahr im Spätherbst. Spatzen bauen viel Material ein, und alte Nester beherbergen Parasiten. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nistkasten reinigen.

Machen Spatzen Schmutz an der Fassade? Unter den Einfluglöchern sammelt sich etwas Kot. Ein schmales Brett etwa einen halben Meter unter dem Kasten fängt das meiste auf, ohne Katzen eine Leiter zu bieten.

Fazit

Der Haussperling ist ein geselliger Hausgenosse, der vor allem drei Dinge braucht: Nischen an Gebäuden zum Brüten, Insekten für seine Jungen und dichte Hecken als Treffpunkt und Versteck. Wenn du ein Koloniehaus aufhängst, eine heimische Hecke pflanzt, ein Sandbad anlegst und ein Stück Garten wild wachsen lässt, hast du gute Chancen, dass das Tschilpen in deiner Straße bleibt oder zurückkehrt. Und weil Spatzen ihrer Kolonie treu bleiben, profitieren von deinem Einsatz oft viele Generationen.

Weiterfliegen

Das könnte dich auch interessieren