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ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

Nistkästen & Lebensraum

Nistkasten richtig aufhängen: Höhe, Himmelsrichtung, Abstand, Zeitpunkt und Schutz

Wo und wie du einen Nistkasten aufhängst, damit er angenommen wird: die richtige Höhe, Ausrichtung nach Osten, Abstände, der beste Zeitpunkt und Schutz vor Katze und Marder.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Der schönste Nistkasten nützt nichts, wenn er am falschen Ort hängt. Ein Kasten in praller Mittagssonne wird im Mai zum Backofen, einer auf der Wetterseite zur Tropfsteinhöhle, und einer, an den eine Katze von einem Ast aus heranreicht, zur Falle. Wer ein paar einfache Regeln beachtet, erhöht die Chance deutlich, dass Vögel einziehen und ihre Jungen sicher großziehen.

Dieser Ratgeber erklärt, wo, wie und wann du einen Nistkasten aufhängst, wie viele Kästen in einen Garten passen und wie du sie vor Räubern schützt.

Der richtige Zeitpunkt

Am besten im Herbst

Viele Vogelschützer empfehlen, Nistkästen schon im Herbst aufzuhängen. Das hat zwei Vorteile: Die Vögel lernen den Kasten über den Winter kennen und nutzen ihn oft schon als Schlafplatz in kalten Nächten. Und das Holz verliert bis zum Frühjahr seinen frischen Geruch.

Spätestens Ende Februar

Wenn du im Herbst nicht dazu gekommen bist: Bis Ende Februar oder Anfang März ist es meist noch rechtzeitig. Meisen beginnen schon im Spätwinter, Bruthöhlen zu erkunden. Später aufgehängte Kästen werden manchmal noch für eine zweite Brut oder von spät brütenden Arten wie dem Trauerschnäpper angenommen, aber die Chancen sinken.

Die richtige Höhe

KastentypEmpfohlene Höhe
Meisenkasten (Höhle, 26–32 mm Loch)etwa 1,5 bis 3,5 Meter
Halbhöhle für Rotkehlchenetwa 1 bis 2 Meter, gut versteckt
Halbhöhle für Hausrotschwanz, Grauschnäpperetwa 2 bis 4 Meter an Gebäuden
Sperlingskoloniehausmindestens 3 Meter an Gebäuden
Starenkastenmindestens 3 Meter
Mauerseglerkastenmindestens 5 bis 6 Meter, unter der Dachkante

Die Höhe ist vor allem eine Frage der Sicherheit. Höher ist meist sicherer vor Katzen und neugierigen Menschen, aber der Kasten muss für die Reinigung im Herbst noch mit einer Leiter erreichbar sein. Für die meisten Meisenkästen sind zwei bis drei Meter ein guter Kompromiss.

Die richtige Himmelsrichtung

Das Einflugloch sollte nach Osten oder Südosten zeigen. So erreicht die Morgensonne den Kasten, aber die heiße Mittags- und Nachmittagssonne scheint nicht direkt auf die Front. Gleichzeitig zeigt das Loch weg von der Wetterseite, die in Deutschland meist im Westen liegt, sodass Regen und Wind nicht hineinpeitschen.

  • Osten / Südosten: ideal
  • Nordosten: gut, besonders in warmen Regionen
  • Süden: nur im Schatten eines Baumes, sonst droht Überhitzung
  • Westen / Südwesten: ungünstig, Wetterseite

Wenn ein Kasten an einer Stelle hängt, wo er im Hochsommer volle Sonne bekommt, kann es innen so heiß werden, dass Jungvögel sterben. Ein Platz im Halbschatten, etwa unter dem Blätterdach eines Baumes, ist deshalb besonders gut.

Leicht nach vorne geneigt

Häng den Kasten senkrecht oder leicht nach vorne geneigt auf, niemals nach hinten gekippt. So läuft Regen am Dach ab und nicht ins Einflugloch.

Freie Anflugschneise

Vögel fliegen ihren Kasten gern geradlinig an. Vor dem Einflugloch sollte deshalb ein freier Anflug von einigen Metern sein, ohne dichte Zweige direkt vor dem Loch. Ein Ast in der Nähe, auf dem die Eltern vor dem Hineinschlüpfen kurz Halt machen können, ist dagegen willkommen, solange er nicht so nah ist, dass eine Katze davon an den Kasten gelangt.

Wie viele Kästen und welcher Abstand?

Gleiche Art

Viele Vögel verteidigen ein Revier gegen Artgenossen. Zwei Meisenkästen mit gleicher Lochgröße sollten deshalb mindestens etwa zehn Meter auseinander hängen. Sonst streiten die Paare, und oft wird nur einer genutzt.

Verschiedene Arten

Kästen für verschiedene Arten, etwa einer mit 26-Millimeter-Loch für Blaumeisen und einer mit 32-Millimeter-Loch für Kohlmeisen, können näher beieinander hängen, weil die Arten sich weniger stark als Konkurrenten wahrnehmen.

Ausnahmen: Koloniebrüter

Haussperlinge, Stare in manchen Gegenden, Mehlschwalben und Mauersegler brüten gern in Gesellschaft. Für sie dürfen und sollen mehrere Brutplätze direkt nebeneinander liegen, zum Beispiel in einem Koloniehaus. Mehr dazu in den Ratgebern Haussperling: wie du Spatzen hilfst und Schwalben und Mauersegler am Haus.

Faustregel für den Garten

In einem durchschnittlichen Garten von einigen hundert Quadratmetern haben meist zwei bis vier Kästen Platz: etwa ein Kasten für Blaumeisen, einer für Kohlmeisen, eine Halbhöhle für Rotkehlchen oder Hausrotschwanz und, an der Hauswand, ein Sperlingskoloniehaus.

Schutz vor Räubern

Katzen

Katzen klettern geschickt und erreichen Nistkästen, wenn diese zu niedrig hängen oder über Äste, Zäune und Mauern zugänglich sind.

  • Kein Ast, keine Mauer und kein Zaun direkt unter oder neben dem Kasten, von dem aus eine Katze heranreicht.
  • Glatter Stamm oder Pfahl: Ein Kasten an einem glatten Pfahl ist schwerer zu erreichen als an einem knorrigen Baum.
  • Katzenabwehrgürtel: Ein Ring aus stumpfen Kunststoff- oder Metallstäben, der in etwa zwei Metern Höhe um den Stamm gelegt wird, hält Katzen und Marder vom Hochklettern ab. Er darf das Wachstum des Baumes nicht einschnüren und muss regelmäßig kontrolliert werden.

Mehr dazu im Ratgeber Katzen und Vögel im Garten.

Marder, Waschbär und Eichhörnchen

Marder und Waschbären können mit den Pfoten durch das Einflugloch greifen. Ein ausreichend tiefer Kasten mit mindestens 17 Zentimetern Abstand vom Loch bis zum Boden schützt die Brut. Eine Vorbauplatte, ein zusätzliches Brett mit Loch vor dem eigentlichen Einflugloch, verlängert den Weg zusätzlich. Eichhörnchen und Spechte vergrößern manchmal das Einflugloch, um an Eier und Junge zu gelangen. Ein Metallring um das Loch verhindert das.

Elstern und Eichelhäher

Sie holen Eier und Nestlinge aus offenen Halbhöhlen. Halbhöhlen sollten deshalb gut versteckt in dichtem Bewuchs hängen. Bei Höhlenkästen hilft wieder die ausreichende Tiefe. Auf eine Sitzstange unter dem Loch solltest du verzichten, denn sie hilft vor allem Räubern.

Richtig befestigen

Am Baum

Schlage keine Stahlnägel in Bäume. Sie können das Holz schädigen und sind bei späteren Fällarbeiten gefährlich für Kettensägen. Besser sind:

  • Aluminiumnägel, die weich sind und keine Säge beschädigen
  • eine Aufhängeleiste mit Drahtbügel, die über einen Ast gehängt wird
  • ein Band oder Draht mit Schutzschlauch um den Stamm, das jedes Jahr kontrolliert und gelockert wird, damit es nicht einwächst

An Gebäuden

An Hauswänden, unter Dachvorsprüngen oder an Schuppen kannst du Kästen mit Schrauben und Dübeln befestigen. Achte darauf, dass darunter kein Fenstersims, Vordach oder Mülltonnenhäuschen als Kletterhilfe für Katzen dient. An Gebäuden sind auch Einbausteine möglich, die direkt in die Fassade integriert werden.

Auf dem Balkon

Auch auf einem Balkon kann ein Nistkasten angenommen werden, wenn er ruhig liegt, nicht ständig genutzt wird und Grün in der Nähe ist. Häng den Kasten möglichst hoch an die Wand, nach Osten ausgerichtet. Frag vorher in der Hausgemeinschaft oder beim Vermieter nach.

Im öffentlichen Raum

An Bäumen in Parks, Straßenbäumen oder im Wald darfst du nicht einfach Kästen aufhängen. Frag beim Grünflächenamt, der Gemeinde oder dem Waldbesitzer nach. Viele Kommunen und Naturschutzgruppen haben eigene Nistkastenprojekte, bei denen du mitmachen kannst.

Besondere Standorte

Obstbäume

Obstbäume sind ideale Standorte für Meisenkästen. Die Meisen fressen dort im Frühjahr Raupen und Blattläuse und helfen so dem Obstbauern. Achte darauf, dass der Kasten bei der Ernte und beim Baumschnitt nicht im Weg ist und nicht gestört wird.

Nadelbäume

In Gärten mit Fichten, Kiefern oder Lärchen fühlen sich Tannen- und Haubenmeisen wohl. Ein Kasten mit 26 bis 28 Millimetern Loch an einem Nadelbaum ist für sie eine gute Wahl.

Waldrand und Streuobstwiese

Wer Zugang zu einem Waldrand oder einer Streuobstwiese hat, kann dort, nach Absprache mit dem Eigentümer, Kästen für Gartenrotschwanz, Trauerschnäpper oder Feldsperling aufhängen. Diese Arten profitieren besonders von zusätzlichen Brutplätzen, weil alte Höhlenbäume vielerorts fehlen.

Was tun, wenn der Kasten leer bleibt?

Nicht jeder Kasten wird im ersten Jahr angenommen. Mögliche Gründe:

  • Zu viele Kästen in der Nähe für dieselbe Art
  • Falsche Lochgröße für die Vögel, die in deinem Garten leben
  • Ungünstiger Platz: zu sonnig, zu windig, zu unruhig oder zu nah an einer Futterstelle
  • Zu wenig Nahrung in der Umgebung, etwa weil Insekten fehlen
  • Räuber in der Nähe, die die Vögel abschrecken

Versuche es mit einem anderen Standort. Oft genügt es, den Kasten an einen ruhigeren, halbschattigen Platz umzuhängen. Und manchmal dauert es einfach ein Jahr, bis die Vögel ihn entdecken. Welche Kastentypen es für welche Arten gibt, steht im Ratgeber Nistkastentypen und Einflugloch.

Während der Brutzeit

Wenn Vögel eingezogen sind, gilt vor allem: Ruhe. Öffne den Kasten nicht, um nachzusehen, und stell dich nicht direkt davor. Brütende Vögel können ein Gelege aufgeben, wenn sie gestört werden. Beobachte lieber aus der Ferne, etwa vom Fenster aus mit einem Fernglas. Wer einen Blick ins Innere werfen möchte, ohne zu stören, kann vor der Brutzeit eine kleine Kamera einbauen, siehe Nistkastenkamera einrichten.

Nach der Brutzeit

Im Spätherbst, wenn sicher keine Brut mehr im Kasten ist, wird er gereinigt. Altes Nistmaterial wird entfernt, damit sich Parasiten nicht ansammeln. Wie und wann das geschieht, beschreibt der Ratgeber Nistkasten reinigen.

Checkliste

  • Aufhängen im Herbst oder bis spätestens Ende Februar
  • Höhe für Meisen: etwa zwei bis drei Meter
  • Einflugloch nach Osten oder Südosten
  • Halbschatten, keine pralle Mittagssonne
  • Senkrecht oder leicht nach vorne geneigt
  • Freie Anflugschneise
  • Mindestens zehn Meter Abstand zu Kästen gleicher Art
  • Kein Ast, Zaun oder Mauervorsprung als Kletterhilfe für Katzen
  • Befestigung mit Aluminiumnägeln oder Aufhängebügel, kein Stahlnagel im Baum
  • Während der Brutzeit Ruhe, Reinigung im Spätherbst

Fazit

Ein Nistkasten wird dann angenommen, wenn er sicher, ruhig und gut temperiert hängt. Wähle eine Höhe von zwei bis drei Metern, richte das Einflugloch nach Osten oder Südosten aus, achte auf Halbschatten und eine freie Anflugschneise und sorge dafür, dass Katzen und Marder nicht herankommen. Häng ihn im Herbst oder spätestens im Februar auf, halte genug Abstand zu Kästen gleicher Art und lass die Vögel in der Brutzeit in Ruhe. Dann stehen die Chancen gut, dass du im Frühjahr die ersten Halme im Schnabel einer Meise siehst.

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