Zum Inhalt springen
ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

Vogelarten erkennen

Wasservögel erkennen: Enten, Gänse, Schwäne, Taucher, Rallen, Reiher und Möwen am Teich

Die häufigsten Wasservögel an Teichen, Seen und Flüssen bestimmen: Stockente, Reiherente, Blässhuhn, Teichhuhn, Haubentaucher, Graureiher, Kormoran, Eisvogel, Möwen und Gänse.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Ein Spaziergang am Stadtteich, am Baggersee oder an einem Fluss ist eine der einfachsten Möglichkeiten, viele Vögel aus der Nähe zu sehen. Wasservögel sind meist groß, auffällig und weniger scheu als Singvögel im Gebüsch. Trotzdem fällt die Bestimmung oft schwer: Ist das schwarze Huhn mit dem weißen Fleck ein Blässhuhn oder ein Teichhuhn? Ist die schwarz-weiße Ente eine Reiherente oder eine Schellente? Und warum sieht die Stockente im Sommer plötzlich so anders aus?

Dieser Ratgeber stellt dir die häufigsten Wasservögel an deutschen Gewässern vor, nach Gruppen sortiert, mit den wichtigsten Merkmalen.

Enten

Stockente

Die Stockente ist die häufigste Ente und an fast jedem Gewässer zu finden.

  • Erpel (Männchen): flaschengrüner Kopf, ein schmaler weißer Halsring, eine braune Brust und ein grauer Körper. Der Schnabel ist gelb.
  • Weibchen: braun gesprenkelt, Schnabel orange mit dunklem Fleck.
  • Beide: ein blau schimmerndes Flügelfeld, das sogenannte Spiegel, mit weißem Rand.

Im Sommer mausern die Erpel in ein Schlichtkleid und sehen dann fast aus wie die Weibchen. Nur der gelbe Schnabel verrät sie. In dieser Zeit können sie für einige Wochen nicht fliegen. Im Herbst bekommen sie ihr Prachtkleid zurück.

An Stadtteichen sieht man oft Stockenten mit ungewöhnlichen Farben, etwa weiße oder sehr dunkle Vögel. Das sind meist Mischlinge mit Hausenten.

Reiherente

Die Reiherente ist eine Tauchente, die nach Muscheln, Schnecken und Insektenlarven taucht.

  • Erpel: schwarz mit leuchtend weißen Flanken, ein herabhängender Federschopf am Hinterkopf, gelbe Augen.
  • Weibchen: dunkelbraun, mit kleinem Schopf und oft einem hellen Fleck am Schnabelgrund.

Tafelente

Ebenfalls eine Tauchente. Der Erpel hat einen kastanienbraunen Kopf, eine schwarze Brust und einen hellgrauen Körper. Das Weibchen ist graubraun mit verwaschenem Kopf.

Schellente

Der Erpel ist schwarz-weiß mit einem dunkelgrünen, dreieckigen Kopf und einem runden weißen Fleck vor dem gelben Auge. Schellenten brüten in Baumhöhlen und kommen im Winter häufiger an größere Seen und Flüsse.

Krickente

Die kleinste heimische Ente. Der Erpel hat einen kastanienbraunen Kopf mit grünem Augenband und ein gelbes Dreieck am Schwanz. Sie bevorzugt flache, ruhige Gewässer mit Ufervegetation.

Gründelenten und Tauchenten

Ein einfacher Trick hilft, Enten schon aus der Ferne einer Gruppe zuzuordnen: Wie suchen sie ihr Futter?

  • Gründelenten wie Stock-, Krick- und Löffelente tauchen nicht vollständig unter. Sie kippen den Vorderkörper ins Wasser, sodass nur noch Hinterteil und Schwanz senkrecht herausragen, und suchen so am Grund flacher Gewässer nach Pflanzen und Kleintieren. Beim Auffliegen springen sie fast senkrecht aus dem Wasser.
  • Tauchenten wie Reiher-, Tafel- und Schellente tauchen ganz unter, oft mehrere Meter tief, und bleiben dabei bis zu einer halben Minute oder länger verschwunden. Zum Auffliegen brauchen sie einen kurzen Anlauf, bei dem sie über das Wasser laufen. Sie liegen tiefer im Wasser als Gründelenten.
  • Säger wie der Gänsesäger sind ebenfalls Tauchenten, haben aber einen langen, schmalen Schnabel mit sägeartigen Hornzähnchen, mit dem sie Fische festhalten.

Wer diesen Unterschied kennt, grenzt die Möglichkeiten schon beim ersten Blick stark ein.

Gänse und Schwäne

Graugans

Die Graugans ist die Stammform der Hausgans: graubraun, mit orangem Schnabel und rosa Beinen. Sie brütet an vielen Seen und in Parks und ist oft wenig scheu.

Kanadagans und Nilgans

Zwei Gänse, die ursprünglich nicht aus Europa stammen, sich aber hier ausgebreitet haben:

  • Kanadagans: groß, mit schwarzem Hals und Kopf und einem weißen Kinnband.
  • Nilgans: eigentlich eine Halbgans, beige-braun mit einem dunklen Augenfleck und großen weißen Flügelfeldern im Flug. Sie ist oft sehr territorial.

Höckerschwan

Der Höckerschwan ist der bekannte weiße Parkschwan mit orangem Schnabel und schwarzem Höcker am Schnabelgrund. Junge Schwäne sind graubraun. Höckerschwäne verteidigen ihr Nest und ihre Jungen sehr entschlossen; halte in der Brutzeit Abstand.

Im Winter kommen in manche Regionen auch Singschwäne aus dem Norden, die einen gelb-schwarzen Schnabel ohne Höcker haben.

Rallen: Blässhuhn und Teichhuhn

Blässhuhn

Das Blässhuhn ist ein rundlicher, ganz schwarzer Wasservogel mit einem weißen Schnabel und einer weißen Stirnplatte, der „Blässe“. Es taucht nach Wasserpflanzen und hat an den Zehen keine Schwimmhäute, sondern breite Lappen. Blässhühner sind sehr streitlustig und liefern sich oft laute Verfolgungsjagden über das Wasser.

Teichhuhn

Das Teichhuhn ist etwas kleiner und eleganter. Es hat eine rote Stirnplatte mit gelber Schnabelspitze, eine weiße Linie an den Flanken und weiße Unterschwanzfedern, die es beim Schwimmen ständig hochschnellen lässt. Es hält sich gern am Ufer und in der Vegetation auf und läuft oft über Wiesen in der Nähe des Wassers.

MerkmalBlässhuhnTeichhuhn
Stirn und Schnabelweißrot mit gelber Spitze
Flankenschwarzweiße Linie
Verhaltenoffenes Wasser, tauchtUfer, Vegetation, wippt mit dem Schwanz

Lappentaucher

Haubentaucher

Der Haubentaucher ist ein eleganter Taucher mit langem Hals, spitzem Schnabel und im Prachtkleid einer schwarzen Doppelhaube und rotbraunen Federkragen. Im Frühjahr führen Paare eine berühmte Balz auf: Sie schwimmen sich gegenüber, schütteln die Köpfe, tauchen nach Pflanzen und richten sich mit den Pflanzen im Schnabel Brust an Brust auf. Junge Haubentaucher sind schwarz-weiß gestreift und reiten oft auf dem Rücken der Eltern.

Zwergtaucher

Der Zwergtaucher ist klein, rundlich und im Sommer dunkel mit rotbrauner Wange und einem hellen Fleck am Schnabelgrund. Er taucht blitzschnell ab und ist oft schwer zu finden. Sein Ruf ist ein lautes, wieherndes Trillern.

Reiher und Kormorane

Graureiher

Der Graureiher ist groß, grau, mit langem Hals, langen Beinen und einem dolchartigen Schnabel. Er steht oft regungslos am Ufer oder auf Wiesen und wartet auf Fische, Frösche oder Mäuse. Im Flug zieht er den Hals S-förmig ein, Störche fliegen dagegen mit gestrecktem Hals.

Silberreiher

Der Silberreiher ist ein großer, ganz weißer Reiher, der in den letzten Jahrzehnten in Deutschland viel häufiger geworden ist, besonders im Winter. Er ist etwa so groß wie der Graureiher und steht oft auf Feldern und Wiesen.

Kormoran

Der Kormoran ist ein großer, dunkler Wasservogel mit hakenförmigem Schnabel. Typisch ist, wie er nach dem Tauchen mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Pfahl oder Ast sitzt, um sein Gefieder zu trocknen. Kormorane brüten in Kolonien und sind bei Fischern umstritten, gehören aber zur natürlichen Vogelwelt an Gewässern.

Weitere Arten am Wasser

Eisvogel

Ein kleiner Vogel mit leuchtend blau-türkisem Rücken und orangefarbener Unterseite. Meist sieht man ihn nur als blauen Blitz, der dicht über das Wasser fliegt, und hört seinen hohen Pfiff. Er sitzt auf Ästen über dem Wasser und stößt kopfüber nach kleinen Fischen. Er brütet in Röhren, die er in steile Uferwände gräbt.

Lachmöwe

Die häufigste Möwe im Binnenland. Im Sommer hat sie einen schokoladenbraunen Kopf, im Winter nur einen dunklen Fleck hinter dem Auge. Schnabel und Beine sind rot. Lachmöwen folgen oft Pflügen auf Feldern und sind in Städten an Gewässern häufig.

Gebirgsstelze und Bachstelze

An Bächen und Flüssen wippt die Gebirgsstelze mit ihrem besonders langen Schwanz. Sie hat eine gelbe Unterseite und einen grauen Rücken. Die Bachstelze ist schwarz-weiß-grau und kommt auch weit vom Wasser entfernt vor.

Wasservögel beobachten

  • Winter ist die beste Zeit: Viele Enten, Gänse und Taucher aus dem Norden überwintern an unseren Seen und Flüssen, und die Erpel tragen ihr Prachtkleid.
  • Ruhige Morgenstunden sind ideal, bevor viele Spaziergänger unterwegs sind.
  • Ein Fernglas hilft, Enten auf größere Entfernung zu bestimmen. Tipps zur Auswahl gibt der Ratgeber Fernglas für die Vogelbeobachtung.
  • Abstand halten: Besonders in der Brutzeit und bei Frost sollten Wasservögel nicht aufgescheucht werden. Jede Flucht kostet sie Energie.

Gute Orte für Wasservogelbeobachtungen stellt der Ratgeber Vogelbeobachtung in Deutschland: die besten Orte vor.

Bitte nicht mit Brot füttern

An vielen Teichen werden Enten und Schwäne mit Brot gefüttert. Das ist gut gemeint, schadet aber: Brot ist für Wasservögel ungesund, Reste verrotten im Wasser und fördern Algenwachstum und Sauerstoffmangel, und große Ansammlungen von Vögeln verbreiten Krankheiten. In vielen Städten ist das Füttern von Wasservögeln deshalb verboten. Mehr dazu im Ratgeber Fehler beim Vogelfüttern.

Häufige Fragen

Warum sehen alle Entenweibchen so ähnlich aus? Weibchen brüten allein und müssen am Nest gut getarnt sein. Zur Bestimmung helfen Schnabelfarbe, Kopfform und das Flügelfeld, das bei jeder Art anders gefärbt ist.

Was tun, wenn ich eine Ente mit Küken auf der Straße sehe? Sichere den Verkehr, wenn das gefahrlos möglich ist, und lass die Familie ihren Weg gehen. Fang die Küken nicht ein, sonst werden sie von der Mutter getrennt.

Warum stehen Reiher so lange still? Graureiher sind Ansitzjäger. Sie warten regungslos, bis ein Fisch oder Frosch in Reichweite kommt, und stoßen dann blitzschnell zu. Ein Reiher, der eine Viertelstunde lang nicht zu atmen scheint, ist also hoch konzentriert.

Woran erkenne ich, ob ein Schwan aggressiv wird? Ein Höckerschwan, der mit gewölbten Flügeln und zurückgelegtem Hals auf dich zuschwimmt, verteidigt sein Revier. Geh dann ruhig ein Stück zurück.

Sind Kanadagans und Nilgans ein Problem? Sie sind gebietsfremde Arten, die sich stark ausgebreitet haben. In manchen Regionen konkurrieren sie mit heimischen Arten oder verschmutzen Badewiesen. Ihr Umgang wird von Behörden geregelt.

Fazit

An Teichen und Seen lassen sich viele Vogelarten aus der Nähe beobachten. Die Stockente erkennst du am grünen Kopf des Erpels und dem blauen Flügelfeld, die Reiherente an Schopf und weißen Flanken, das Blässhuhn an der weißen Stirn, das Teichhuhn an der roten Stirn und dem wippenden Schwanz, den Haubentaucher an der Federhaube, den Graureiher am S-förmig eingezogenen Hals im Flug und den Kormoran an seinen ausgebreiteten Flügeln. Mit einem Fernglas, etwas Geduld und Rücksicht wird jeder Spaziergang am Wasser zu einer kleinen Entdeckungsreise.

Weiterfliegen

Das könnte dich auch interessieren