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ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

Vogelarten erkennen

Greifvögel erkennen: Bussard, Turmfalke, Sperber, Habicht, Milane und Co. am Flugbild bestimmen

Die häufigsten Greifvögel Deutschlands sicher bestimmen: Flugbild, Flügel- und Schwanzform, Verhalten und Rufe von Mäusebussard, Turmfalke, Sperber, Habicht, Rot- und Schwarzmilan.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Ein großer Vogel kreist über dem Feld, ein kleiner Falke steht scheinbar still in der Luft, ein grauer Blitz schießt durch den Garten und reißt eine Meise vom Futterhaus: Greifvögel faszinieren. Viele Menschen sagen bei jedem großen Vogel am Himmel „ein Adler“, dabei ist es meist ein Mäusebussard. Mit etwas Übung lassen sich die häufigsten Greifvögel aber gut unterscheiden, oft schon an der Silhouette.

Dieser Ratgeber stellt dir die Greifvögel vor, die du in Deutschland am häufigsten siehst, und zeigt, worauf du beim Bestimmen achten solltest.

Worauf es beim Bestimmen ankommt

Greifvögel sieht man meist im Flug, oft weit entfernt und gegen den hellen Himmel. Farben sind dann kaum zu erkennen. Umso wichtiger sind:

  1. Größe: im Vergleich zu bekannten Vögeln wie Krähe oder Taube.
  2. Flügelform: breit oder schmal, rund oder spitz, gefingert oder geschlossen.
  3. Schwanzform: lang oder kurz, gerade, gerundet oder gegabelt.
  4. Flugweise: kreisend, rüttelnd, gleitend, im Ruderflug, im Sturzflug.
  5. Lebensraum und Verhalten: Sitzt der Vogel auf einem Zaunpfahl am Feld, jagt er zwischen Häusern, kreist er über einem See?

Mäusebussard

Der Mäusebussard ist der häufigste Greifvogel Deutschlands. Fast jeder große Greifvogel, den du am Straßenrand auf einem Pfahl oder über einem Feld kreisen siehst, ist ein Bussard.

  • Größe: etwas größer als eine Krähe, Spannweite rund 1,1 bis 1,3 Meter.
  • Flugbild: breite, runde Flügel mit gefingerten Spitzen, kurzer, breiter, gerundeter Schwanz, kurzer Hals.
  • Gefieder: sehr variabel, von fast weiß bis dunkelbraun. Häufig mit einem hellen Brustband.
  • Verhalten: kreist oft in Thermik, sitzt lange auf Zaunpfählen, Bäumen oder Strommasten, jagt Mäuse auf Wiesen und Feldern.
  • Ruf: ein miauendes „hiää“, das man oft schon hört, bevor man den Vogel sieht.

Turmfalke

Der Turmfalke ist der häufigste Falke und lebt in Agrarlandschaften ebenso wie in Städten, wo er an Kirchtürmen und hohen Gebäuden brütet.

  • Größe: etwa taubengroß, aber schlanker.
  • Flugbild: spitze, schmale Flügel und ein langer Schwanz.
  • Typisches Verhalten: Er rüttelt, das heißt, er steht mit schnellen Flügelschlägen auf der Stelle in der Luft und hält nach Mäusen Ausschau. Kein anderer häufiger Greifvogel tut das so regelmäßig.
  • Männchen: grauer Kopf und grauer Schwanz mit schwarzer Endbinde, rotbrauner Rücken mit dunklen Flecken.
  • Weibchen: insgesamt braun mit dunkler Bänderung, auch am Schwanz.
  • Ruf: ein hohes, schnelles „kikikiki“.

Sperber

Der Sperber ist ein Jäger kleiner Vögel und der Greifvogel, der am häufigsten im Garten auftaucht, oft an Futterstellen.

  • Größe: Männchen kleiner als eine Taube, Weibchen etwa taubengroß. Die Weibchen sind deutlich größer als die Männchen.
  • Flugbild: kurze, runde Flügel und ein langer Schwanz, im Flug ein Wechsel aus schnellen Flügelschlägen und kurzen Gleitphasen.
  • Männchen: schiefergraue Oberseite, orange-rötlich gebänderte Unterseite.
  • Weibchen: graubraune Oberseite, grau gebänderte Unterseite, heller Überaugenstreif.
  • Augen: gelb bis orange.
  • Verhalten: jagt im Überraschungsangriff dicht über Hecken und zwischen Häusern hindurch.

Wenn ein Sperber an deiner Futterstelle eine Meise schlägt, ist das schwer anzusehen, aber ganz natürlich. Sperber sind wichtig für ein gesundes Gleichgewicht und erbeuten oft geschwächte oder unaufmerksame Vögel. Gegen gezielte Angriffe hilft Deckung in der Nähe der Futterstelle, siehe Vögel richtig füttern.

Habicht

Der Habicht ist der große Verwandte des Sperbers.

  • Größe: Männchen etwa krähengroß, Weibchen so groß wie ein Bussard.
  • Flugbild: ähnlich wie der Sperber, aber massiger, mit breiterer Brust, längeren Flügeln im Verhältnis zum Schwanz und einem gerundeten Schwanzende.
  • Gefieder: Altvögel grau mit fein gebänderter, heller Unterseite und einem deutlichen weißen Überaugenstreif. Jungvögel braun mit Längsstreifen auf der Brust.
  • Lebensraum: Wälder, zunehmend auch Großstädte mit Parks, wo er Tauben und Krähen jagt.

Sperber oder Habicht? Die Größe ist das wichtigste Merkmal, aber aus der Ferne schwer zu schätzen. Achte auf den Gesamteindruck: Der Sperber wirkt zierlich und hat einen schlanken Schwanz mit eher geradem Ende, der Habicht wirkt kräftig, „schwer“ und hat ein gerundetes Schwanzende.

Rotmilan

Der Rotmilan ist ein besonders eleganter Greifvogel und für Deutschland eine Verantwortungsart: Ein großer Teil des Weltbestands, nach Schätzungen etwa die Hälfte, brütet hier.

  • Größe: größer als ein Bussard, Spannweite bis etwa 1,7 Meter.
  • Flugbild: lange, schmale, abgewinkelte Flügel und ein tief gegabelter, rostroter Schwanz, den er beim Fliegen ständig dreht, um zu steuern.
  • Gefieder: rostrot mit hellgrauem Kopf, große weiße Felder auf der Unterseite der Flügel.
  • Verhalten: segelt niedrig und langsam über Feldern und Wiesen, oft bei der Mahd oder beim Pflügen, wenn Mäuse aufgescheucht werden.

Schwarzmilan

Der Schwarzmilan ähnelt dem Rotmilan, ist aber dunkler braun, und sein Schwanz ist nur flach gegabelt, bei gespreizten Federn manchmal fast gerade. Er lebt gern in der Nähe von Gewässern und frisst auch tote Fische. Er ist ein Zugvogel und von etwa März bis August bei uns.

Rotmilan oder Schwarzmilan? Der tiefe Gabelschwanz und die rötliche Farbe sprechen für den Rotmilan, der flach gekerbte Schwanz und das dunkle Gefieder für den Schwarzmilan.

Wanderfalke

Der Wanderfalke ist der schnellste Vogel der Welt. Im Sturzflug auf Beute erreicht er Geschwindigkeiten von weit über 200 Kilometern pro Stunde, nach manchen Messungen sogar deutlich mehr.

  • Größe: etwa krähengroß, kompakt.
  • Flugbild: spitze, an der Basis breite Flügel, kürzerer Schwanz als beim Turmfalken.
  • Gefieder: schiefergraue Oberseite, helle, quergebänderte Unterseite, ein auffälliger schwarzer „Bartstreif“ unter dem Auge.
  • Lebensraum: Felsen, aber auch Kirchtürme, Kraftwerke und Hochhäuser in Städten, wo er Tauben jagt.

Der Wanderfalke war in Deutschland durch Pestizide wie DDT und Verfolgung fast ausgestorben. Dank strenger Schutzmaßnahmen hat er sich wieder erholt.

Weitere Greifvögel

  • Baumfalke: schlank, mit sichelförmigen Flügeln und rostroten „Hosen“. Jagt Libellen und Schwalben im Flug, im Sommer bei uns.
  • Rohrweihe: fliegt niedrig über Schilf und Feldern, die Flügel in einem flachen V gehalten. Männchen dreifarbig mit grauen Flügelpartien.
  • Seeadler: riesig, Spannweite über zwei Meter, mit „brettartigen“ Flügeln und einem weißen, keilförmigen Schwanz bei Altvögeln. Vor allem im Norden und Osten an Seen und Küsten.
  • Fischadler: oberseits dunkel, unterseits hell, stößt mit den Füßen voran ins Wasser, um Fische zu fangen.

Silhouetten im Überblick

ArtFlügelSchwanzTypisches Flugverhalten
Mäusebussardbreit, rund, gefingertkurz, breit, gerundetkreist, sitzt auf Pfählen
Turmfalkespitz, schmallangrüttelt auf der Stelle
Sperberkurz, rundlang, schlankschneller Wechsel aus Schlagen und Gleiten, jagt durch Gärten
Habichtrund, etwas längerlang, gerundetkraftvoll, jagt in Wäldern und Parks
Rotmilanlang, schmal, abgewinkelttief gegabelt, rostrotlangsames Segeln, ständiges Schwanzdrehen
Schwarzmilanlang, schmalflach gekerbtsegelt, oft an Gewässern
Wanderfalkespitz, breit an der Basiseher kurzsehr schneller Sturzflug
Rohrweihelang, in V-Stellunglangniedriger Gaukelflug über Schilf
Seeadlersehr breit, brettartigkurz, keilförmig, weißsegelt, oft über Wasser

Eulen sind keine Greifvögel im engeren Sinn

Eulen jagen ebenfalls andere Tiere und haben Hakenschnabel und kräftige Krallen. Sie gehören aber zu einer eigenen Vogelgruppe und sind überwiegend nachts aktiv. In Gärten und Siedlungen begegnen dir am ehesten der Waldkauz mit seinem bekannten „huhu-huuu“, die Waldohreule mit langen Federohren, die im Winter manchmal in Gruppen in Nadelbäumen auf Friedhöfen schläft, und der Steinkauz in Streuobstwiesen. Die Schleiereule mit ihrem herzförmigen, hellen Gesicht brütet in Scheunen und Kirchtürmen. Auch für sie gibt es spezielle Nisthilfen, siehe Nistkastentypen und Einflugloch.

Typische Beobachtungssituationen

  • Ein großer Vogel auf einem Zaunpfahl an der Autobahn: fast immer ein Mäusebussard.
  • Ein Vogel, der über einer Böschung in der Luft steht: ein rüttelnder Turmfalke.
  • Ein grauer Schatten, der durch den Garten schießt und Meisen auffliegen lässt: ein Sperber.
  • Ein großer, rötlicher Vogel mit Gabelschwanz über einem frisch gemähten Feld: ein Rotmilan.
  • Tauben, die an einem Kirchturm plötzlich panisch auseinanderstieben: vielleicht ein Wanderfalke.

Greifvögel und Menschen

Alle Greifvögel sind in Deutschland streng geschützt. Trotzdem werden sie immer noch illegal verfolgt, vergiftet oder ihre Horste zerstört. Wer einen toten oder verletzten Greifvogel findet, sollte die Polizei oder die untere Naturschutzbehörde informieren, besonders wenn Vergiftung vermutet wird. Fass verdächtige tote Tiere nicht an.

Viele Greifvögel profitieren von strukturreichen Landschaften mit Hecken, Wiesen und alten Bäumen, in denen sie Beute finden und brüten können. Auf Windkraftanlagen, Stromleitungen und Straßenverkehr reagieren besonders große Arten wie Rotmilan und Seeadler empfindlich.

Greifvögel beobachten

  • Herbst ist eine gute Zeit, weil dann viele Greifvögel ziehen. An bekannten Zugpunkten kann man an einem Tag Hunderte beobachten. Hinweise auf gute Beobachtungsorte gibt der Ratgeber Vogelbeobachtung in Deutschland: die besten Orte.
  • Felder bei der Mahd im Frühsommer locken Milane, Bussarde und Turmfalken an.
  • Winterliche Landschaften sind gut für Bussarde auf Pfählen und gelegentlich für nordische Raufußbussarde.
  • Ein Fernglas ist unverzichtbar. Mehr dazu im Ratgeber Fernglas für die Vogelbeobachtung.

Häufige Fragen

Gibt es Adler in meiner Gegend? Vermutlich eher nicht. Steinadler leben in den Alpen, Seeadler vor allem im Norden und Osten. Große Greifvögel über Feldern sind meist Mäusebussarde oder Milane.

Kann ein Greifvogel meine Katze oder meinen kleinen Hund angreifen? Das kommt praktisch nicht vor. Habichte erbeuten zwar Tiere bis Kaninchengröße, Haustiere sind aber kein normales Beuteschema.

Warum hassen Krähen auf Greifvögel? Krähen und andere Vögel verfolgen Greifvögel oft in Gruppen und vertreiben sie, um ihre Nester zu schützen. Das nennt man „Hassen“.

Fazit

Greifvögel bestimmt man vor allem an der Silhouette und am Verhalten. Breite, runde Flügel und ein kurzer Schwanz gehören zum Mäusebussard, spitze Flügel und Rütteln zum Turmfalken, kurze runde Flügel und ein langer Schwanz zu Sperber und Habicht, ein tief gegabelter rostroter Schwanz zum Rotmilan. Der Wanderfalke ist kompakt und rasend schnell, der Seeadler riesig mit weißem Schwanz. Mit diesen Merkmalen wirst du bald erkennen, dass nicht jeder große Vogel am Himmel ein Adler ist, und gerade das macht die Beobachtung so spannend.

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