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ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

Vogelarten erkennen

Spechte in Deutschland: Bunt-, Mittel-, Klein-, Grün-, Grau- und Schwarzspecht erkennen

Alle heimischen Spechte im Porträt: Erkennungsmerkmale, Trommeln und Rufe, Lebensraum und Nahrung, plus Tipps gegen Spechtlöcher an der Fassade und für Spechte im Garten.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Ein lautes Trommeln hallt durch den Wald, oder ein schwarz-weißer Vogel hängt plötzlich am Meisenknödel und hämmert darauf ein: Spechte sind faszinierende Vögel. Sie klettern senkrecht an Baumstämmen, meißeln Höhlen ins Holz und spielen eine Schlüsselrolle im Wald, denn ihre verlassenen Höhlen werden von vielen anderen Tieren genutzt.

In Deutschland leben mehrere Spechtarten, von denen einige auch regelmäßig in Gärten und Parks auftauchen. Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du sie unterscheidest, wie sie leben und wie du ihnen helfen kannst.

Was Spechte so besonders macht

Spechte sind perfekt an ihr Leben am Baum angepasst:

  • Meißelschnabel: gerade, kräftig und spitz, um Holz aufzuhacken und Höhlen zu zimmern.
  • Kletterfüße: Bei den meisten Arten zeigen zwei Zehen nach vorne und zwei nach hinten. So halten sie sich sicher am Stamm.
  • Stützschwanz: Die Schwanzfedern sind besonders steif und dienen beim Klettern als Stütze.
  • Lange Zunge: Sie kann weit herausgestreckt werden und hat bei vielen Arten Widerhaken oder eine klebrige Oberfläche, um Insektenlarven aus Gängen zu ziehen.
  • Stoßdämpfung: Der Schädelbau, kräftige Nackenmuskeln und ein besonderes Zungenbein, das sich um den Schädel legt, schützen das Gehirn bei den heftigen Schlägen.

Trommeln statt Singen

Spechte singen nicht wie Singvögel. Stattdessen trommeln sie mit schnellen Schnabelschlägen auf trockene, gut klingende Äste. Das Trommeln dient der Revierabgrenzung und der Partnerwerbung und ist vor allem im späten Winter und Frühjahr zu hören. Jede Art hat einen typischen Trommelrhythmus. Mit dem Höhlenbau oder der Nahrungssuche hat dieses Trommeln nichts zu tun; dabei hackt der Specht unregelmäßiger und leiser.

Die Buntspechte: schwarz-weiß mit Rot

Buntspecht

Der Buntspecht ist der häufigste und bekannteste Specht. Er ist etwa so groß wie eine Amsel und kommt in Wäldern, Parks und Gärten mit älteren Bäumen vor.

  • Gefieder: schwarz-weiß, mit großen weißen Schulterflecken auf dem schwarzen Rücken.
  • Unterschwanz: leuchtend rot.
  • Männchen: mit einem roten Fleck im Nacken.
  • Weibchen: ohne Rot am Kopf.
  • Jungvögel: mit rotem Scheitel, was zu Verwechslungen mit dem Mittelspecht führt.
  • Trommeln: kurz, sehr schnell, etwa eine Sekunde lang.
  • Ruf: ein scharfes „kix“.

Der Buntspecht frisst Insektenlarven, Samen aus Kiefern- und Fichtenzapfen, die er in eine „Spechtschmiede“ klemmt, Nüsse und im Frühjahr gelegentlich Eier und Nestlinge anderer Vögel. Am Futterplatz liebt er Fettfutter und Erdnüsse.

Mittelspecht

Der Mittelspecht ist etwas kleiner als der Buntspecht und lebt vor allem in alten Eichenwäldern, Auwäldern und Streuobstwiesen.

  • Scheitel: bei beiden Geschlechtern rot.
  • Gesicht: wirkt weißer, weil der schwarze Wangenstreif nicht bis zum Schnabel reicht.
  • Unterseite: Flanken fein gestrichelt, Unterschwanz rosa statt kräftig rot.
  • Stimme: trommelt selten, im Frühjahr ist sein quäkender, gedehnter Ruf „gäh-gäh-gäh“ typisch.

Der Mittelspecht sucht seine Nahrung meist stochernd in der groben Rinde alter Bäume statt durch Hacken. Er ist auf alte Bäume mit rauer Rinde angewiesen und eine Charakterart naturnaher Eichenwälder.

Kleinspecht

Der Kleinspecht ist der kleinste heimische Specht, kaum größer als ein Spatz.

  • Rücken: quergebändert schwarz-weiß, ohne große weiße Schulterflecken.
  • Unterschwanz: ohne Rot.
  • Männchen: mit rotem Scheitel, Weibchen mit weißlichem Scheitel.
  • Ruf: eine Reihe hoher „kie-kie-kie“-Rufe.

Er hält sich oft in den dünnen Zweigen der Baumkronen auf und wird deshalb leicht übersehen. Er mag Weichholzarten wie Weiden, Pappeln und Erlen, Auwälder und alte Obstgärten.

Wer ist es? Schnellbestimmung der Buntspechte

MerkmalBuntspechtMittelspechtKleinspecht
Größeamselgroßetwas kleinerspatzengroß
Rückengroße weiße Schulterfleckengroße weiße Schulterfleckenquergebändert
Scheitelschwarz (Jungvögel rot)rot bei beiden GeschlechternMännchen rot
Unterschwanzkräftig rotrosaohne Rot

Grünspecht und Grauspecht

Grünspecht

Der Grünspecht ist ein großer, grüner Specht mit roter Kappe, einem schwarzen Augenbereich und einem gelbgrünen Bürzel, der im Flug auffällt. Beim Männchen ist der Bartstreif rot mit schwarzem Rand, beim Weibchen ganz schwarz.

Sein Ruf ist ein lautes, schallendes „klü-klü-klü-klü“, das wie ein Lachen klingt und ihm den Spitznamen „Lachvogel“ eingebracht hat. Der Grünspecht ist ein Ameisenspezialist. Er sucht seine Nahrung meist am Boden auf Rasenflächen, Wiesen und Weiden, wo er mit seiner langen, klebrigen Zunge Ameisen und ihre Puppen aus den Nestern holt. Im Winter gräbt er manchmal tiefe Löcher in den Schnee, um an Ameisenhaufen zu kommen. Ein Garten mit ungespritztem Rasen und Ameisen kann ihn anlocken.

Grauspecht

Der Grauspecht ähnelt dem Grünspecht, ist aber kleiner und hat einen grauen Kopf. Nur das Männchen trägt einen kleinen roten Fleck auf der Stirn. Sein Ruf ist eine Reihe abfallender, langsamer werdender Pfiffe. Er ist deutlich seltener als der Grünspecht und lebt in alten Laub- und Mischwäldern.

Der Schwarzspecht

Der Schwarzspecht ist der größte Specht Europas, fast so groß wie eine Krähe.

  • Gefieder: ganz schwarz.
  • Männchen: mit durchgehend roter Kappe von der Stirn bis zum Hinterkopf.
  • Weibchen: nur mit rotem Fleck am Hinterkopf.
  • Augen: hell.
  • Trommeln: sehr laut, kräftig und gut zwei Sekunden lang, oft über einen Kilometer weit zu hören.
  • Rufe: im Flug ein lautes „krrü-krrü-krrü“, sitzend ein klagendes „kliöh“.

Der Schwarzspecht zimmert große Höhlen mit ovalem Eingang in alte, dicke Buchen und Kiefern. Diese Höhlen werden später von Hohltauben, Dohlen, Raufußkäuzen, Fledermäusen und sogar Baummardern genutzt. Deshalb gilt der Schwarzspecht als „Baumeister des Waldes“.

Der Wendehals: ein Specht, der nicht hackt

Der Wendehals ist ein ungewöhnlicher Specht. Er ist rindenfarben braun-grau gemustert, gut getarnt und kann seinen Hals schlangenartig verdrehen, wenn er sich bedroht fühlt. Er hackt keine Höhlen, sondern nutzt vorhandene Baumhöhlen und auch Nistkästen. Er ist ein Zugvogel, der im Winter nach Afrika zieht, und frisst vor allem Ameisen. In vielen Regionen ist er selten geworden.

Spechte in den Bergen

In den Alpen und in einigen Mittelgebirgen leben zusätzlich der Dreizehenspecht mit gelbem Scheitel beim Männchen und der Weißrückenspecht mit weißem Unterrücken. Beide sind auf alte, totholzreiche Wälder angewiesen.

Das Spechtjahr

  • Januar bis März: Die Balz beginnt. Spechte trommeln und rufen, Paare finden sich, und an kahlen Bäumen sind sie besonders gut zu sehen.
  • April und Mai: Höhlenbau und Brut. Viele Arten zimmern jedes Jahr eine neue Höhle, die Späne liegen dann frisch am Boden unter dem Baum. Die Jungen werden mit Insektenlarven gefüttert und sind kurz vor dem Ausfliegen oft lautstark aus der Höhle zu hören.
  • Juni und Juli: Die jungen Buntspechte mit ihrem roten Scheitel folgen den Eltern und kommen manchmal mit an den Futterplatz.
  • Herbst und Winter: Buntspechte stellen auf Samen um und bearbeiten Kiefern- und Fichtenzapfen an ihren Spechtschmieden. Unter solchen Bäumen findet man oft Dutzende zerhackte Zapfen. Grünspechte graben im Rasen nach Ameisen.

Ein frisch gezimmertes Höhlenloch mit hellen Spänen darunter verrät, dass dort gerade eine Spechtfamilie einzieht. Halte dann Abstand und beobachte aus der Ferne.

Spechte im Garten

Futter

Am Futterplatz kommen vor allem Buntspechte, gelegentlich auch Mittel- und Kleinspechte. Sie mögen:

  • Fettfutter, etwa in einem Futterstamm mit gebohrten Löchern
  • ungesalzene Erdnüsse in einem Drahtspender
  • Walnüsse und Sonnenblumenkerne

Wie du einen Futterstamm baust, steht im Ratgeber Meisenknödel selber machen.

Lebensraum

  • Alte Bäume und Totholz stehen lassen, soweit sie sicher sind. Abgestorbene Äste und Stämme sind Nahrungsquelle und Höhlenbaum zugleich.
  • Rasenflächen ohne Gift und mit Ameisen für den Grünspecht.
  • Obstbäume, die nicht übermäßig ausgelichtet werden.

Spechte und Nistkästen

Buntspechte vergrößern manchmal die Einfluglöcher von Nistkästen, um an Eier oder Junge zu gelangen. Ein Metallschutzring um das Einflugloch oder ein Kasten aus Holzbeton verhindert das. Mehr dazu im Ratgeber Nistkastentypen und Einflugloch.

Spechtlöcher in der Fassade

Gedämmte Fassaden mit Putz klingen für Spechte oft wie morsches Holz. Manche Spechte hacken Löcher hinein, um nach Insekten zu suchen, eine Höhle anzulegen oder zu trommeln. Das ist ärgerlich, aber die Vögel sind geschützt und dürfen nicht verletzt oder getötet werden. Hilfreich sind:

  • Löcher schnell schließen, bevor sie als Höhle genutzt werden, und dabei prüfen, dass kein Tier darin ist.
  • Glänzende, bewegliche Bänder oder Folien an den betroffenen Stellen, die den Specht vorübergehend vertreiben.
  • Ein Spechtkasten in der Nähe als Alternative.
  • Bei Neubau: harter, glatter Putz und eine Dämmung, die nicht hohl klingt.

Wenn bereits eine Höhle besetzt ist, darf sie während der Brutzeit nicht verschlossen werden. Bei Fragen hilft die untere Naturschutzbehörde.

Spechte beobachten

Der beste Zeitraum für Spechtbeobachtungen ist der späte Winter und das frühe Frühjahr, wenn die Bäume noch kahl sind und die Spechte trommeln und rufen. Folge dem Trommeln, schau nach Hackspuren an Stämmen und Zapfen in Rindenritzen und achte auf den wellenförmigen Flug. Ein Fernglas ist dabei sehr hilfreich, siehe Fernglas für die Vogelbeobachtung.

Häufige Fragen

Bekommen Spechte vom Hacken Kopfschmerzen? Nach heutigem Wissen schützen Schädelbau, Muskulatur und die kurze Dauer der Schläge das Gehirn so gut, dass Spechte keinen Schaden nehmen.

Schaden Spechte den Bäumen? Gesunde Bäume werden kaum geschädigt. Spechte suchen vor allem in kranken oder toten Ästen nach Insektenlarven und sind damit eher Helfer im Wald.

Warum trommelt ein Specht auf meine Regenrinne? Metall klingt besonders laut. Für einen Specht ist eine Regenrinne oder ein Laternenmast ein hervorragendes Instrument, um sein Revier anzuzeigen. Das hört nach der Balzzeit meist von selbst auf.

Fazit

Spechte erkennst du an ihrem Kletterverhalten, dem Meißelschnabel und dem Trommeln. Der Buntspecht ist schwarz-weiß mit rotem Unterschwanz, der Mittelspecht hat bei beiden Geschlechtern einen roten Scheitel, der Kleinspecht ist spatzengroß und quergebändert, der Grünspecht grün mit lachendem Ruf, der Grauspecht grauköpfig und der Schwarzspecht krähengroß und schwarz. Mit alten Bäumen, Totholz, ungespritzten Rasenflächen und einem Futterstamm holst du Spechte in die Nähe, und mit etwas Geduld hörst du im Frühjahr ihr Trommeln aus dem eigenen Garten.

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