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ZOEVIAN Zoë · Avian – Leben mit Vögeln

Gartenvögel

Rabenvögel im Garten: Elster, Eichelhäher, Krähe und Dohle besser verstehen

Elster, Eichelhäher, Rabenkrähe, Saatkrähe und Dohle erkennen, ihre Intelligenz verstehen und einordnen, ob sie Singvögeln wirklich schaden, plus Tipps fürs Miteinander.

Von der ZOEVIAN Redaktion · · 7 Min. Lesezeit

Kaum eine Vogelfamilie wird so unterschiedlich gesehen wie die Rabenvögel. Für die einen sind Elstern und Krähen Nesträuber, die den Garten von Singvögeln leer fressen. Für die anderen gehören sie zu den klügsten Tieren überhaupt, die Werkzeuge benutzen, Futter verstecken und sich jahrelang an Gesichter erinnern. Beide Sichtweisen haben einen wahren Kern, aber die Wirklichkeit ist vielschichtiger.

Dieser Ratgeber stellt dir die Rabenvögel vor, die du in deutschen Gärten und Städten am häufigsten siehst, erklärt ihr Verhalten und ordnet ein, welche Rolle sie für andere Vögel spielen.

Wer gehört zu den Rabenvögeln?

Die Rabenvögel, wissenschaftlich Corvidae, gehören zu den Singvögeln, auch wenn ihr Krächzen wenig nach Gesang klingt. Zu den Arten, denen du in Deutschland begegnest, zählen:

  • Elster
  • Eichelhäher
  • Rabenkrähe und im Osten die Nebelkrähe
  • Saatkrähe
  • Dohle
  • Kolkrabe
  • seltener der Tannenhäher in Bergwäldern

Die Elster

Die Elster ist mit ihrem schwarz-weißen Gefieder und dem langen Schwanz unverwechselbar. Im Sonnenlicht schimmern Flügel und Schwanz blau, grün und violett. Sie ist etwa 40 bis 50 Zentimeter lang, wobei der Schwanz fast die Hälfte ausmacht.

Lebensweise

Elstern leben paarweise in einem festen Revier und bleiben oft lebenslang zusammen. Ihr Nest ist ein auffälliger Reisigball mit Dach, hoch oben in Bäumen oder großen Sträuchern. Oft bauen sie mehrere Nester und nutzen nur eines davon. Verlassene Elsternester werden später von Waldohreulen, Turmfalken und anderen Vögeln genutzt.

Intelligenz

Die Elster war eines der ersten Tiere außerhalb der Säugetiere, bei dem Forscher beobachteten, dass es sich im Spiegel selbst erkennt. In Experimenten versuchten Elstern, eine farbige Markierung an ihrem eigenen Gefieder zu entfernen, die sie nur im Spiegel sehen konnten.

Der Mythos von der diebischen Elster

Der Ruf, Elstern würden glitzernde Gegenstände stehlen, ist weitgehend ein Mythos. In Versuchen reagierten Elstern auf glänzende Objekte eher vorsichtig als neugierig.

Der Eichelhäher

Der Eichelhäher ist der bunteste Rabenvogel: rosabraunes Gefieder, ein schwarzer Bartstreif, eine leicht gestreifte Haube und an den Flügeln ein leuchtend blau-schwarz gebändertes Feld. Im Flug fällt der weiße Bürzel auf.

Der Förster unter den Vögeln

Im Herbst sammelt der Eichelhäher Eicheln, Bucheckern und Haselnüsse und versteckt sie im Boden, unter Moos und in Baumritzen. Ein einzelner Vogel legt dabei viele tausend Verstecke an. Er findet erstaunlich viele davon wieder, aber nicht alle. Aus den vergessenen Eicheln wachsen junge Eichen. Der Eichelhäher trägt so maßgeblich dazu bei, dass sich Eichenwälder ausbreiten.

Der Wächter des Waldes

Eichelhäher warnen mit einem lauten, rauen „rätsch“ vor Gefahren, etwa vor Füchsen, Greifvögeln oder Menschen. Andere Tiere reagieren darauf. Außerdem sind sie geschickte Stimmenimitatoren: Sie ahmen zum Beispiel den Ruf des Mäusebussards täuschend echt nach.

Im Garten

Am Futterplatz holt sich der Eichelhäher gern ganze Erdnüsse, Walnüsse und Sonnenblumenkerne, die er oft im Kehlsack abtransportiert und anderswo versteckt.

Rabenkrähe, Nebelkrähe und Saatkrähe

Rabenkrähe

Die Rabenkrähe ist ganz schwarz, auch Schnabel und Beine. Sie lebt meist paarweise oder in kleinen Familiengruppen und baut ihr Nest einzeln in hohen Bäumen. Junge, noch unverpaarte Krähen schließen sich im Winter zu großen Schwärmen zusammen.

Nebelkrähe

Östlich der Elbe lebt die Nebelkrähe. Sie hat schwarzen Kopf, Flügel und Schwanz, aber einen grauen Körper. In einem schmalen Streifen, wo sich die Verbreitungsgebiete treffen, gibt es Mischlinge.

Saatkrähe

Die Saatkrähe ist etwas schlanker und hat einen längeren, spitzeren Schnabel. Erwachsene Vögel erkennst du an der nackten, grauweißen Haut an der Schnabelwurzel. Saatkrähen brüten in Kolonien, oft mit Dutzenden Nestern in einer Baumgruppe, auch mitten in Städten. Das ist laut, und manche Anwohner fühlen sich gestört. Saatkrähen sind aber geschützt, und ihre Kolonien dürfen nicht einfach entfernt werden.

Rabenkrähe oder Saatkrähe?

MerkmalRabenkräheSaatkrähe
Schnabelwurzelschwarz befiedertnackt, grauweiß (Altvögel)
Schnabelformkräftig, gebogenlänger, spitzer
Gefiederschwarz mit leichtem Glanzschwarz mit violettem Glanz, „Hosen“ an den Beinen
BrutEinzelnesterKolonien
Rufhartes „krah“tieferes, raues „gah“

Mehr schwierige Paare findest du im Ratgeber Verwechslungspaare bei Gartenvögeln.

Die Dohle

Die Dohle ist der kleinste heimische Rabenvogel, etwa so groß wie eine Taube. Sie ist schwarz mit grauem Nacken und hat auffällig hellgraue, fast weiße Augen. Dohlen leben gesellig, bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen und brüten in Höhlen: in alten Bäumen, Kirchtürmen, Mauerlöchern und Schornsteinen. Ihr Ruf ist ein helles, fröhliches „kja“.

Dohlen sind in vielen Regionen auf Nisthilfen angewiesen, weil Gebäude saniert und Höhlenbäume gefällt werden. Spezielle Dohlenkästen, die hoch an Kirchtürmen oder Gebäuden angebracht werden, haben vielerorts geholfen.

Der Kolkrabe

Der Kolkrabe ist der größte Singvogel der Welt, so groß wie ein Mäusebussard. Er hat einen sehr kräftigen Schnabel, zottige Kehlfedern und im Flug einen keilförmigen Schwanz. Sein Ruf ist ein tiefes, sonores „krok“. Kolkraben waren in Deutschland lange stark verfolgt und fast verschwunden. Heute haben sie sich in vielen Regionen wieder ausgebreitet, kommen aber selten in Gärten.

Wie klug sind Rabenvögel?

Rabenvögel gehören zu den intelligentesten Tieren. Forscher haben bei ihnen Fähigkeiten beobachtet, die man lange nur Menschenaffen zutraute:

  • Werkzeuggebrauch: Manche Krähenarten biegen Drähte zu Haken, um Futter aus Röhren zu holen.
  • Planung: Eichelhäher und andere Häher verstecken Futter und verlegen ihre Verstecke, wenn sie bemerken, dass ein Artgenosse sie beobachtet hat.
  • Gesichter erkennen: Krähen erinnern sich an Menschen, die ihnen etwas getan haben, und warnen Artgenossen vor ihnen.
  • Kooperation: Paare und Familien arbeiten bei der Verteidigung des Reviers zusammen und vertreiben gemeinsam Greifvögel.

Fressen Rabenvögel die Singvögel weg?

Das ist die häufigste Frage zum Thema, und sie verdient eine ehrliche Antwort.

Was stimmt

Elstern, Eichelhäher und Krähen plündern Nester. Sie fressen Eier und Nestlinge von Amseln, Drosseln und anderen frei brütenden Vögeln. Wer das im eigenen Garten beobachtet, ist verständlicherweise betroffen.

Was die Forschung sagt

Untersuchungen in mehreren europäischen Ländern haben gezeigt, dass Rabenvögel in der Regel nicht die Ursache für großräumige Rückgänge von Singvögeln sind. Dort, wo es viele Elstern gibt, gibt es oft auch viele Singvögel, weil beide von denselben guten Lebensräumen profitieren. Viel stärker wirken der Verlust von Hecken und Insekten, intensive Landwirtschaft, Glasflächen und Hauskatzen. Singvögel gleichen Nestverluste durch mehrere Bruten pro Jahr aus. Dass einzelne Nester geplündert werden, gehört zum natürlichen Kreislauf.

Was du tun kannst

Statt Rabenvögel zu vertreiben, ist es sinnvoller, Singvögeln bessere Verstecke zu bieten:

  • Dichte, dornige Sträucher wie Weißdorn, Schlehe, Berberitze und Wildrosen, in denen Nester gut verborgen sind. Mehr dazu im Ratgeber Heimische Sträucher für Vögel.
  • Nistkästen mit passend kleinem Einflugloch, in die Elstern und Häher nicht hineinkommen. Ein Kasten sollte tief genug sein, damit vom Loch bis zum Nestboden etwa 17 Zentimeter Abstand bleiben. Hinweise im Ratgeber Nistkastentypen und Einflugloch.
  • Kein offenes Futter für Rabenvögel in der Brutzeit in direkter Nähe zu Singvogelnestern.

Rabenvögel am Futterplatz

Rabenvögel sind am Futterplatz manchmal dominant und verdrängen kleinere Vögel. Wenn du vor allem Meisen und Finken füttern möchtest, helfen:

  • Futtersilos und Spender mit kleinen Öffnungen, an denen große Vögel kaum fressen können.
  • Schutzgitter um Futterhäuschen mit einer Maschenweite von etwa fünf Zentimetern, durch die kleine Vögel schlüpfen, große aber nicht.
  • Kein Futter auf dem Boden im großen Stil.

Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, auch Rabenvögeln etwas anzubieten, etwa ganze Walnüsse oder Erdnüsse für den Eichelhäher. Wie du eine Futterstelle sinnvoll gestaltest, beschreibt der Ratgeber Vögel richtig füttern.

Rechtlicher Schutz

Alle europäischen Vogelarten, auch die Rabenvögel, sind nach europäischem und deutschem Naturschutzrecht geschützt. Einige Arten wie Rabenkrähe und Elster dürfen in bestimmten Bundesländern unter Auflagen bejagt werden. Für Privatleute gilt aber: Nester zerstören, Vögel fangen oder töten ist verboten. Wer sich von einer Saatkrähenkolonie gestört fühlt, wendet sich an die untere Naturschutzbehörde.

Rabenvögel beobachten

Rabenvögel sind dankbare Beobachtungsobjekte. Achte auf ihr Sozialverhalten: Dohlenpaare putzen sich gegenseitig das Gefieder, Krähen spielen im Wind, und Elstern halten manchmal regelrechte Versammlungen ab, wenn ein Artgenosse gestorben ist. Im Herbst kannst du Eichelhäher beobachten, die immer wieder mit vollem Kehlsack aus dem Eichenwald fliegen. Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Ratgeber Vogelbeobachtung für Einsteiger weitere Tipps.

Häufige Fragen

Warum greifen Krähen manchmal Menschen an? Das kommt fast nur in der Brutzeit vor, wenn junge Krähen gerade das Nest verlassen haben und noch am Boden oder auf niedrigen Ästen sitzen. Die Eltern verteidigen sie dann mit Scheinangriffen. Mach einen kleinen Bogen um die Stelle; nach zwei bis drei Wochen ist der Spuk vorbei.

Plündern Elstern meinen Nistkasten? Ein gut gebauter Kasten mit kleinem Loch und ausreichender Tiefe ist für Elstern kaum zugänglich. Offene Halbhöhlen sind gefährdeter und gehören deshalb gut versteckt in dichten Efeu oder eine dornige Hecke.

Werden Rabenvögel immer mehr? In Städten sind Elstern und Krähen heute häufiger als vor einigen Jahrzehnten, weil sie dort Nahrung und Schutz finden. In der offenen Agrarlandschaft sind die Bestände dagegen vielerorts stabil oder rückläufig.

Kann ich Rabenvögel aus dem Garten vertreiben? Dauerhaft kaum, und das ist auch nicht nötig. Wer kein offenes Futter am Boden liegen lässt und Mülltonnen schließt, macht den Garten für sie weniger attraktiv.

Fazit

Elster, Eichelhäher, Krähen und Dohlen sind kluge, soziale und anpassungsfähige Vögel, die zu unseren Gärten und Städten gehören. Sie plündern gelegentlich Nester, sind aber in aller Regel nicht schuld am Rückgang der Singvögel. Wer Singvögeln helfen will, pflanzt dichte heimische Sträucher, hängt sichere Nistkästen auf und gestaltet die Futterstelle passend. Und wer genauer hinschaut, entdeckt bei den Rabenvögeln ein Verhalten, das immer wieder erstaunt.

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