Gartenvögel
Kohlmeise und Blaumeise: Unterschiede, Lebensweise, Brut und wie du beiden hilfst
Kohlmeise oder Blaumeise? So unterscheidest du die beiden häufigsten Meisen, verstehst ihr Jahr vom Revierkampf bis zum Ausfliegen und hilfst ihnen im Garten.
Kaum ein Vogel ist am Futterhaus so präsent wie die Meisen. Sie kommen schnell, schnappen sich einen Kern und fliegen damit in den nächsten Busch, um ihn dort in aller Ruhe aufzuhacken. Die beiden häufigsten Arten, Kohlmeise und Blaumeise, leben in fast jedem Garten, Park und Wald Deutschlands. Sie sehen sich auf den ersten Blick ähnlich, unterscheiden sich aber in Größe, Färbung, Verhalten und Ansprüchen an den Nistplatz.
Dieser Ratgeber zeigt dir, wie du die beiden sicher auseinanderhältst, wie ein Meisenjahr abläuft und was du tun kannst, damit sie bei dir brüten und gut durch den Winter kommen.
Die beiden auf einen Blick
| Merkmal | Kohlmeise | Blaumeise |
|---|---|---|
| Größe | etwa 14 cm, so groß wie ein Spatz | etwa 11–12 cm, deutlich kleiner |
| Gewicht | etwa 16–21 g | etwa 9–12 g |
| Kopf | glänzend schwarz, weiße Wangen | himmelblaue Kappe, weiße Wangen, schwarzer Augenstreif |
| Brust | gelb mit schwarzem Längsband | gelb, höchstens ein kurzer, dunkler Fleck |
| Flügel | grünlich grau mit einer weißen Binde | blau mit schmaler weißer Binde |
| Einflugloch im Nistkasten | etwa 32 mm | etwa 26–28 mm |
| Typisches Verhalten | selbstbewusst, oft am Boden unter dem Futterhaus | turnt akrobatisch an dünnen Zweigen und hängendem Futter |
Wenn du nur auf ein Merkmal achten willst, dann auf den Kopf: Schwarz bedeutet Kohlmeise, Blau bedeutet Blaumeise.
Die Kohlmeise im Porträt
Die Kohlmeise ist die größte Meise Mitteleuropas und eine der häufigsten Vogelarten überhaupt. Ihr Name hat nichts mit Kohl zu tun, sondern geht wahrscheinlich auf „Kohle“ zurück, also auf den kohlschwarzen Kopf.
Männchen und Weibchen unterscheiden
Bei der Kohlmeise lässt sich das Geschlecht oft erkennen. Das schwarze Band auf der Brust ist beim Männchen breit und verbreitert sich zwischen den Beinen zu einem großen schwarzen Feld. Beim Weibchen ist es schmal und läuft nach unten hin oft aus. Junge Kohlmeisen im ersten Sommer haben gelbliche statt weißer Wangen und wirken insgesamt blasser.
Stimme
Kohlmeisen sind unglaublich vielseitig. Am bekanntesten ist der Frühlingsgesang, ein helles „zi-zi-bä“ oder „zi-bä, zi-bä“, das schon an milden Januartagen zu hören ist. Viele Menschen nennen ihn den „Glockenruf“. Dazu kommen Warnrufe, ein schimpfendes „tscherrr“ und viele weitere Laute. Wer sich in Vogelstimmen einhören möchte, findet in unserem Ratgeber Vogelstimmen lernen einen guten Einstieg.
Nahrung
Im Sommer fressen Kohlmeisen vor allem Insekten, Spinnen und Raupen. Im Winter stellen sie auf Samen, Nüsse und Beeren um und kommen dann besonders gern an Futterstellen. Sie sind sehr lernfähig: In England haben Kohlmeisen früher gelernt, die Deckel von Milchflaschen aufzupicken, die vor den Haustüren standen, und dieses Wissen hat sich unter den Vögeln verbreitet.
Die Blaumeise im Porträt
Die Blaumeise ist kleiner, zierlicher und farbenfroher. Ihr blaues Käppchen reflektiert ultraviolettes Licht, das wir Menschen nicht sehen können, für Meisen aber deutlich sichtbar ist. Forschende gehen davon aus, dass Weibchen bei der Partnerwahl auf diese Färbung achten.
Männchen und Weibchen
Bei der Blaumeise sehen beide Geschlechter für unser Auge fast gleich aus. Das Männchen ist meist etwas kräftiger blau gefärbt, aber ohne direkten Vergleich ist das kaum zu erkennen. Jungvögel haben gelbliche Wangen und eine eher grünlich-graue Kappe.
Akrobatin in den Zweigen
Typisch für die Blaumeise ist ihre Gewandtheit. Sie hängt kopfüber an Zweigspitzen, sucht in Knospen nach Blattläusen und kleinen Raupen und pickt an Schilfhalmen nach Insekten. Am Futterplatz bevorzugt sie hängende Angebote wie Futtersäulen oder Knödelhalter, an denen größere Vögel schlecht Halt finden.
Stimme
Der Gesang ist ein feines, hohes „zi-zi-zirrr“, das in einen Triller übergeht. Der Warnruf klingt ähnlich schimpfend wie bei der Kohlmeise, aber heller.
Das Meisenjahr
Winter: Gemeinsam durch die kalte Zeit
Im Herbst und Winter ziehen Kohl- und Blaumeisen oft in gemischten Trupps umher, zusammen mit Tannenmeisen, Schwanzmeisen, Kleibern und Goldhähnchen. Mehr Augen sehen mehr Gefahren, und eine Futterquelle wird schneller entdeckt. Die Nächte verbringen sie einzeln in Baumhöhlen, Mauerspalten oder Nistkästen. Ein Nistkasten, der im Herbst gereinigt wurde, ist deshalb auch im Winter wertvoll.
Spätwinter und Frühjahr: Reviere und Partner
Ab Januar beginnen die Männchen zu singen und Reviere abzugrenzen. Die Paare finden sich, und im März und April suchen sie eine Bruthöhle. Beide Arten sind Höhlenbrüter: Sie brauchen eine geschützte Höhle mit kleinem Eingang, etwa eine Spechthöhle, ein ausgefaultes Astloch oder einen Nistkasten. Gute Nistkästen und ihre richtige Lochgröße erklären wir im Ratgeber Nistkastentypen und Einflugloch.
Nestbau und Brut
Das Weibchen baut ein Nest aus Moos und polstert die Mulde mit Haaren, Federn und Tierwolle. Meist ab Mitte April legt es täglich ein Ei. Kohlmeisen haben oft sechs bis zwölf, Blaumeisen sieben bis dreizehn Eier, je nach Nahrungsangebot und Alter des Weibchens. Gebrütet wird etwa zwei Wochen lang, und zwar vom Weibchen, das in dieser Zeit vom Männchen gefüttert wird.
Aufzucht: Tausende Raupen
Nach dem Schlupf beginnt die anstrengendste Zeit. Die Jungen brauchen weiche, eiweißreiche Nahrung, vor allem Raupen. Ein Meisenpaar fliegt an guten Tagen mehrere hundert Mal zum Nest. Über die gesamte Nestlingszeit von knapp drei Wochen kommen so mehrere tausend Raupen zusammen. Darum sind Meisen auch für Obstgärtner wertvolle Helfer.
Die Brut ist eng auf den Zeitpunkt abgestimmt, an dem es die meisten Raupen gibt, nämlich kurz nach dem Laubaustrieb der Eichen und Obstbäume. Verschiebt sich dieser Zeitpunkt durch milde Winter nach vorne, müssen auch die Meisen früher brüten, was ihnen nicht immer gelingt.
Ausfliegen
Mit etwa 18 bis 21 Tagen verlassen die Jungen das Nest, oft alle innerhalb weniger Stunden. Sie können dann schon flattern, aber noch nicht gut fliegen, und werden von den Eltern noch etwa zwei Wochen gefüttert. Wenn du in dieser Zeit eine junge Meise im Gebüsch sitzen siehst, ist das normal. Wann ein Jungvogel wirklich Hilfe braucht, liest du im Ratgeber Jungvogel gefunden.
Kohlmeisen brüten in guten Jahren ein zweites Mal, Blaumeisen meist nur einmal.
Wie lange leben Meisen?
Das Leben einer Meise ist gefährlich. Viele Jungvögel überleben ihren ersten Winter nicht, weil Futter knapp wird, Katzen oder Sperber zuschlagen oder sie an Fensterscheiben verunglücken. Die meisten Meisen werden nur zwei bis drei Jahre alt. Einzelne beringte Vögel wurden allerdings deutlich älter. Der Bestand bleibt trotzdem stabil, weil Meisen viele Junge großziehen.
Gefahren und Krankheiten
Nahrungsmangel zur Brutzeit
Wenn im Frühjahr wochenlang kaltes, nasses Wetter herrscht, finden die Eltern zu wenige Raupen. Dann sterben oft einzelne oder alle Nestlinge. Gegen das Wetter kannst du nichts tun, aber ein Garten mit heimischen Sträuchern und Bäumen bietet mehr Insekten als Rasen und Thuja. Welche Gehölze besonders wertvoll sind, zeigt der Ratgeber über heimische Sträucher für Vögel.
Blaumeisensterben
Im Frühjahr 2020 fanden Menschen in mehreren Regionen Deutschlands auffällig viele kranke und tote Blaumeisen. Die Vögel wirkten apathisch, aufgeplustert und hatten Atemprobleme. Als Ursache wurde ein Bakterium nachgewiesen, Suttonella ornithocola, das Lungenentzündungen auslöst. Seither tritt die Krankheit in manchen Frühjahren erneut auf. Wenn du kranke Meisen an deiner Futterstelle bemerkst, solltest du die Fütterung vorübergehend einstellen, Futter- und Wasserstellen gründlich reinigen und die Beobachtung den zuständigen Naturschutzverbänden melden. Wie du Futterstellen sauber hältst, erklärt der Ratgeber Futterstelle sauber halten.
Katzen und Glasscheiben
Hauskatzen und Glasflächen gehören zu den häufigsten Todesursachen von Gartenvögeln. Hänge Nistkästen so auf, dass Katzen sie nicht erreichen, und mach große Fenster für Vögel sichtbar. Hinweise dazu findest du in den Ratgebern Katzen und Vögel im Garten und Vogelschlag an Glasscheiben verhindern.
So hilfst du Kohl- und Blaumeisen
Nistkästen
Meisen nehmen Nistkästen sehr gern an. Für die Blaumeise eignet sich ein Einflugloch von 26 bis 28 Millimetern, für die Kohlmeise von 32 Millimetern. Ein 32-Millimeter-Loch können auch Blaumeisen nutzen, aber dann konkurrieren sie mit der stärkeren Kohlmeise. Wenn du beiden Arten helfen willst, häng zwei Kästen mit unterschiedlichem Loch in einigem Abstand auf. Wie du einen Nistkasten selbst baust, zeigt unsere Bauanleitung, und wo er hängen sollte, erklärt der Ratgeber Nistkasten richtig aufhängen.
Futter
Meisen fressen am Futterplatz gern:
- Sonnenblumenkerne, geschält oder ungeschält
- Erdnüsse, ungesalzen und ungeröstet, am besten gehackt oder in einem engmaschigen Spender
- Fettfutter, zum Beispiel selbst gemachte Futterglocken oder Meisenknödel ohne Plastiknetz
- Haferflocken in Fett
Welche Mischungen sinnvoll sind und welche Fehler du vermeiden solltest, steht im Ratgeber Vögel richtig füttern. Wie du Fettfutter selbst herstellst, erklärt die Anleitung Meisenknödel selber machen.
Ein insektenreicher Garten
Das beste Futter für Meisen sind Insekten. Ein Garten mit heimischen Bäumen und Sträuchern, einer Ecke mit Wildblumen, etwas Totholz und ohne Insektengift ist für Meisen mehr wert als jedes Futterhaus. Gerade während der Brutzeit hängt der Erfolg einer Meisenfamilie davon ab, wie viele Raupen sie in der Umgebung findet. Ideen für den Umbau liefert der Ratgeber Vogelfreundlichen Garten anlegen.
Wasser
Auch Meisen trinken und baden gern. Eine flache, saubere Vogeltränke hilft besonders im heißen Sommer und an Frosttagen. Wie du sie anlegst, liest du im Ratgeber Vogeltränke und Vogelbad.
Weitere Meisen, die du kennen solltest
Neben Kohl- und Blaumeise leben in Deutschland noch weitere Meisenarten, die gelegentlich in Gärten auftauchen:
- Tannenmeise: kleinste Meise, schwarzer Kopf mit großem weißem Nackenfleck, keine gelbe Brust. Kommt vor allem in Gärten mit Nadelbäumen vor.
- Sumpfmeise: graubraun, kleine glänzend schwarze Kappe, schwarzer Kinnfleck. Ihr Ruf klingt wie „pitschü“.
- Weidenmeise: der Sumpfmeise zum Verwechseln ähnlich, mit matter Kappe und hellem Flügelfeld. Sicher unterscheiden lassen sich beide am besten an der Stimme.
- Haubenmeise: unverkennbar mit spitzer, schwarz-weiß gesprenkelter Haube. Lebt vor allem in Nadelwäldern.
- Schwanzmeise: gehört streng genommen zu einer eigenen Familie. Winzig, mit sehr langem Schwanz, zieht in Familientrupps umher.
Wie du die schwierigen Paare wie Sumpf- und Weidenmeise auseinanderhältst, erklärt der Ratgeber über Verwechslungspaare bei Gartenvögeln.
Fazit
Kohlmeise und Blaumeise sind die Botschafter der Vogelwelt im Garten. Die Kohlmeise erkennst du am schwarzen Kopf und dem Längsband auf der gelben Brust, die Blaumeise an der himmelblauen Kappe und ihrer kleinen, akrobatischen Gestalt. Beide brauchen Höhlen zum Brüten, viele Raupen für ihre Jungen und im Winter ein verlässliches Futterangebot. Mit zwei passenden Nistkästen, einer sauberen Futterstelle und einem Garten voller heimischer Pflanzen hast du gute Chancen, ihr ganzes Jahr aus nächster Nähe zu verfolgen.